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It Takes Two im Test: Ein Koop-Meisterwerk für PS4 und Xbox One

Die A Way Out-Macher von Hazelight Studios setzen ordentlich einen drauf. Bei It Takes Two können sich andere Spiele vor allem in einer Kategorie eine ganz große Scheibe abschneiden.

von Tobias Veltin, Dennis Michel,
24.03.2021 16:00 Uhr

It Takes Two im kooperativen GamePro-Test. It Takes Two im kooperativen GamePro-Test.

It Takes Two ist bereits das zweite reine Koop-Spiel aus dem Hause Hazelight Studios. Dessen Erstlingswerk A Way Out sorgte vor knapp drei Jahren für Aufsehen, auch weil es tatsächlich nur im Koop gespielt werden konnte. It Takes Two für PS4/PS5 und Xbox-Konsolen baut auf genau diesem Grundgedanken auf, kommt aber mit deutlich anderem Setting und anderer Tonalität daher.

Der exzentrische Studioleiter Josef Fares nahm den Mund schon vor dem offiziellen Release ganz schön voll. Satte 1.000 Dollar versprach Fares nämlich all denjenigen, die das Spiel langweilen würde. Im Test zu It Takes Two haben wir dementsprechend auf Teufel komm raus versucht, uns zu langweilen. Vergeblich. Aber wir sind ganz ehrlich: Selten war es uns so egal, auf viel Geld zu verzichten.

Aber der Reihe nach: It Takes Two versetzt uns in die Rolle des Ehepaars Cody und May, das mit seiner kleinen Tochter Rosie in einem hübschen Häuschen inmitten eines kleines Stadtrand-Idylls lebt. Doch in der Beziehung der beiden kriselt es so heftig, dass sie eines Tages beschließen, sich scheiden zu lassen.

Als sie Rosie die Entscheidung mitteilen, nimmt diese das nahezu stoisch auf und zieht sich in den Schuppen des Hauses zurück, wo ihre Trauer sie übermannt. Ihre Tränen fallen auf zwei kleine Puppen, was kurioserweise dazu führt, dass sich Cody und May in exakt diese Puppen verwandeln. Jetzt müssen die beiden versuchen, in die echte Welt zurückzukehren und mithilfe des Paartherapeuten Dr. Hakim, der eigentlich ein magisches Buch ist, ihre Ehe zu reparieren.

Ein Ehepaar als Star im Chaos

Dieser Aufhänger ist natürlich die perfekte Prämisse für eine sowohl humorvolle als auch rührende Geschichte, die sich im gesamten Verlauf des Spiels als überraschend starkes Element des Spiels erweist. Das Ende ist zwar recht vorhersehbar, die Handlung lebt aber ungemein von der Beziehung der beiden Hauptfiguren.

Anfangs kabbeln sich Cody und May noch regelmäßig, weisen sich gegenseitig auf die nervigen Eigenschaften des anderen hin, nur um sich im Spielverlauf immer mehr zusammenzuraufen. Dabei entdecken sie auch lange unterdrückte Sehnsüchte und Geheimnisse des anderen, was die Figuren nahbar und sympathisch macht. Uns sind Cody und May über die gesamte Spielzeit jedenfalls enorm ans Herz gewachsen.


Technik-Check: Während unseres Tests auf der PS5 hat sich It Takes Two über die volle Spielzeit von ca. zwölf Stunden in einem technisch hervorragenden Zustand präsentiert. Weder hatten wir Probleme mit der Bildrate, noch mit Bugs und auch die Steuerung via Gamepad funktioniert überaus präzise. Lediglich in ganz wenigen Momenten wollte die Kamera nicht so, wie wir wollten. Störend war das jedoch nicht.

Abseits davon schaut das Koop-Abenteuer mit seinem Pixar-Look nicht nur verdammt schick aus und kommt mit tollen optischen Effekten daher, auch die englische Vertonung (auf eine deutsche Synchronisation wurde verzichtet) und der Soundtrack sind ein Highlight. Zudem ist uns der dynamische Splitscreen positiv aufgefallen. Das Bild geht fließend vom Gameplay in die Cutscenes über, Ladezeiten entfallen so komplett.

Dass die Story so gut funktioniert, liegt aber auch daran, dass die beiden immer wieder in neue kuriose Situationen stolpern und dabei auf allerlei witzige NPC-Gestalten treffen. Militante Eichhörnchen zum Beispiel, die einem Wespennest den Garaus machen wollen. Einen Hammer, der Cody und May auf ihrem Weg behilflich ist.

Oder auch ein paar Frösche, die als Mini-Taxiunternehmen fungieren und sich darum streiten, wer denn jetzt "den Fetten" (Cody) transportieren soll. Und Dr. Hakim, der als Ehe-Kitter dem zerstrittenen Paar nach und nach unterschiedliche Lektionen zur Eherettung präsentiert, muss man einfach mal gesehen haben.

Der perfekte Spagat aus Witz und Herz

Das alles wird mit extrem viel Augenzwinkern, Humor und Charme präsentiert, stellenweise haben uns einzelne Szenen aber auch wirklich berührt. Wenn Rosie etwa vergeblich versucht, ihre Eltern - deren echte, leblose Körper wie im Tiefschlaf auf der Couch und im Arbeitszimmer liegen - auf bessere Gedanken zu bringen und sich dann enttäuscht zurückzieht, geht das unweigerlich ans Herz. Umso bemerkenswerter, dass die Story von It Takes Two nie ihre Lockerheit verliert, sich aber auch nie zu sehr aufdrängt. Denn das wahre Juwel des Spiels ist ohnehin etwas anderes.


Wiederspielwert: It Takes Two bietet zwar keine unterschiedlichen Enden oder Schwierigkeitsgrade, nach dem Durchspielen gibt es aber trotzdem einen großen Anreiz, den Titel noch einmal durchzuspielen. Denn aufgrund der teils sehr unterschiedlichen Rollen von Cody und May kann es sehr interessant sein, in einem zweiten Durchlauf als die jeweils andere Figur zu spielen um somit tatsächlich alles einmal gesehen zu haben. Auch die Minispiele reizen zu weiteren Partien. "Ausgespielt" ist It Takes Two also nach einem Durchlauf nicht.

Ein herrlicher Genremix mit verrückten Bosskämpfen

Als reines Koop-Abenteuer erlebt ihr It Takes Two entweder lokal auf der Couch oder online mit einer weiteren Person im Splitscreen, die das Spiel übrigens im Gegensatz zu euch nicht kaufen muss. Dank Freundespass kauft einer, und zwei zocken. So muss das sein!

Rein spielerisch erwartet euch in erster Linie ein Mix aus linearem Action-Adventure und 3D-Platformer, in dem durch storytechnisch miteinander verwobene Schauplätze gehüpft, gerannt, gekämpft und gerätselt wird. Dabei bekommen Cody und May im Laufe ihrer Reise von Hakim - ihr wisst schon, das sprechende Liebesbuch - immer wieder einzigartige Fähigkeiten an die Puppenhand.

Nägel und Hammer It Takes Two macht seinem Namen alle Ehre. Cody und May bekommen immer neue Fähigkeiten an die Hand, mit denen sie sich gegenseitig unterstützen. Während Cody hier mit einer Nagelpistole ausgerüstet ist und so Wege zum entlanghangeln schafft, kann May mit ihrem Hammer Gläser zerdeppern.

Waffen Während Cody mit einer Honigkanonen ausgerüstet ist, klebrigen Nektar verschießt, feuert May mit einem Streichholzgewehr.

Absprache Auf die Absprache im Team kommt es häufig an.

So kann Cody beispielsweise bis zu drei Nägel verschießen, an denen sich May über eine tödliche Schlucht hangelt. Sie selbst wird mit einem Hammer ausgestattet, der dann wiederum ihrem Gatten durch das Zerschlagen von Gläsern den Weg öffnet. In einer anderen Passage ist Cody mit einer Honigkanone ausgerüstet, der klebrigen Nektar auf Wespen platziert, welchen May wiederum mit einer Streichholzkanone zur Explosion bringen kann. An anderer Stelle kann sich Cody in eine große Version seiner selbst verwandeln, May dagegen mit Spezialstiefeln an Wänden entlanglaufen.

Und diese unterschiedlichen Fähigkeiten werden im Verlauf des Spiels natürlich auch immer wieder für kleinere Rätsel genutzt, die oft angenehme Knobeleien erfordern: Wo genau muss Cody den Nagel hinfeuern, damit sich May problemlos über den Abgrund schwingen kann? Oder welchen Knopf muss der/die eine drücken, damit der/die andere nicht gegen ein Hindernis rauscht?


Minispiele: Auf unserer Reise sind wir am Wegesrand der recht linearen Abschnitte auf ganze 25 optionale Wettkämpfe zwischen Cody und May gestoßen, die das so abwechslungsreiche Gameplay noch weiter auflockern. Mal duellieren wir uns im Tauziehen und hämmern dabei einfach nur so schnell es geht auf den X-Button, mal spielen wir aber auch eine komplette Partie Schach oder zocken "gemütlich" einen Guitar Hero-Klon (siehe Bild). Die Portion Spaß, die sich Hazelight hier zusätzlich aus dem Ärmel geschüttelt hat, ist schlicht und ergreifend fantastisch.

Schön ist auch, dass wir im Menü nicht nur einen Zwischenstand über die bereits gespielten Spiele sowie unsere Siege sehen (was für einen gewissen Herrn T. Veltin mit 90% gewonnener Spiele ein überaus netter Anblick ist …), auch können wir hier die Spiele ganz nach Belieben erneut spielen.

Als eine Form der Gameplay-Auflockerung werden wir in regelmäßigen Abständen auch in Bosskämpfe verstrickt. In komplett verrückte Bosskämpfe wohlgemerkt, in denen uns nicht nur einmal das gute, alte "wtf" über die Lippen gehuscht ist.

Wer konnte auch ahnen, dass wir gegen unseren überdimensionalen Müllschlucker kämpfen oder uns in luftigen Höhen auf schmalen Brettern gegen unseren Werkzeugkoffer zur Wehr setzen müssen. Die Kämpfe selbst sind mit überaus fairen Checkpoints versehen zwar alles andere als harte Brocken, jedoch durchaus keine Selbstläufer, stets mit kooperativen Elementen versehen und vor allem eines: kreativ und spaßig.

Die Bosskämpfe, wie hier gegen einen überdimensionalen Staubsauger, sind ein absolutes Highlight, dabei fordernd, aber stets mit fairen Checkpoints versehen. Die Bosskämpfe, wie hier gegen einen überdimensionalen Staubsauger, sind ein absolutes Highlight, dabei fordernd, aber stets mit fairen Checkpoints versehen.

Schon dieses actionreiche Grundgerüst samt der vielen Minispiele, unterschiedlichen Fähigkeiten und tollen Bosskämpfen hätte uns schon gut bei der Stange gehalten. Allerdings ist It Takes Two tatsächlich noch so viel mehr.

"Das kann doch nicht …"

An dieser Stelle kommen wir nochmal explizit zu den Punkten "Abwechslung" und "Eigenständigkeit". Falls ihr nämlich bislang vergeblich nach einer Referenz zu einem vergleichbaren Spiel Ausschau gehalten habt, dann nur deswegen, weil It Takes Two so unglaublich divers und einzigartig ist, wie wir es selten bei einem Koop-Spiel erlebt haben.

Dass wir uns keine Sekunde gelangweilt haben, keine 1.000 Dollar von Josef Fares bekommen, liegt am schier unglaublichen Grad der Abwechslung und dem Einfallsreichtum. Das Grundgerüst aus Action-Adventure und Platformer ist nämlich nur die halbe Wahrheit. In regelmäßigen Abständen erleben wir Passagen, in denen wir unseren Augen kaum trauen können.

Um euch nicht zu sehr zu spoilern, nehmen wir ein recht frühes Beispiel aus der Demoversion: Während Cody ein Flugzeug steuert und May Feinde mit der Bordkanone unter Beschuss nimmt, springt aus heiterem Himmel ein Feind auf die Tragflächen unserer Propellermaschine und verwandelt den May-Part in einen Street Fighter-Kampf. Mit Lebensleiste, Power-Moves und spektakulärem K.O.-Bildschirm.

Kroko Doc Neben den Minispielen hat Hazelight in den tollen Schauplätzen viele, viele Interaktionsmöglichkeiten platziert, die Erinnerungen an die eigene Kindheit wecken. Hier können wir eine Runde Kroko Doc spielen.

Sidescroller Während der gut zwölf Stunden Spielzeit jagt eine coole Idee die andere. Dabei bricht das Koop-Abenteuer alle Genre-Grenzen und zündet ein Feuerwerk an Abwechslung.

Und das ist nur ein Beispiel von vielen, in denen It Takes Two eine Tür aufmacht und uns nicht nur in ein komplett anderes Genre wirft, sondern uns schlicht zum Staunen bringt. Die komplette Spielzeit ist gespickt mit fantastischen Überraschungen, bei denen wir uns permanent überlegt haben, was sich die Entwickler:innen wohl als nächstes haben einfallen lassen, und die auch schnell einen gewissen Suchtfaktor erzeugt haben. Wir konnten gar nicht genug bekommen von Schauplätzen wie dem Inneren eines Baums oder dem detailverliebten Kinderzimmer der kleinen Rosie und natürlich den vielen Gameplay-Ideen, die sich die Entwickler:innen dafür ausgedacht hatten.

Hazelight hätte hier ähnlich A Way Out ein nettes, lineares Koop-Erlebnis abliefern können, das mit einer schmucken Pixar-Optik daherkommt und uns storytechnisch bei der Stange hält. Im Fall von It Takes Two setzen sie aber noch zwei Schippen drauf, lassen ihrer Kreativität freien Lauf und gehen sogar mit den Minispielen und vielen optionalen Interaktionsmöglichkeiten, die wir in den Arealen entdecken, noch die Extrameile. Für sein nächstes Koop-Spiel hat das Team die Latte jedenfalls enorm weit nach oben gelegt.

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