Ich habe The Last of Us schon tausendmal beendet und finde die Serie trotzdem spannend

Ist die HBO-Serie zu The Last of Us spannend für Fans wie Linda, die Naughty Dogs Spiel bereits mehrmals beendet hat? Und ob!

Lohnt sich HBOs The Last of Us für Fans, die das Spiel bereits kennen? Lohnt sich HBOs The Last of Us für Fans, die das Spiel bereits kennen?

Ich bin riesiger The Last of Us-Fan und habe sogar meine Bachelor-Arbeit über Part 1 des Action-Adventures von Naughty Dog geschrieben. Dafür habe ich den PlayStation-Titel (sehr gerne) etliche Male durchgespielt und kenne mittlerweile nicht nur die Geschichte in- und auswendig, sondern vermutlich auch jeden Backstein und Grasbüschel der pilzbefallenen Vereinigten Staaten.

Mein letzter gemeinsamer Endzeit-Roadtrip mit Joel und Ellie liegt noch gar nicht lange zurück, denn erst letzten September brachten Sony und Naughty Dog das PS5-Remake von The Last of Us auf den Markt. Und damit nicht genug: Ab sofort ist die Pilot-Folge von HBOs Serienadaption auf Sky verfügbar, die die komplette Story des ersten Teils in insgesamt neun Episoden nacherzählt.

Im Vorfeld hatte ich deshalb ein wenig die Sorge, dass bei mir in Sachen The Last of Us ein Übersättigungs-Gefühl eintreten könnte. Aber falsch gedacht: Bereits in der 83-minütigen ersten Episode habe ich die Welt des Spiels und die Charaktere von einer ganz neuen Seite kennengelernt.

Achtung, in diesem Artikel kommen Spoiler zur ersten Folge der The Last of Us-Serie vor.

Ein emotionaler Einblick ins Leben der Millers

Wie im Spiel beginnt die Geschichte nicht direkt im postapokalyptischen Szenario, sondern versetzt uns in die Zeit vor dem Ausbruch der Cordyceps-Pandemie zurück. Wir schreiben das Jahr 2003: Joel feiert seinen 36-jährigen Geburtstag gemeinsam mit seiner Tochter Sarah in Austin, Texas. So weit, so bekannt.

Anders als im Naughty Dog-Titel lässt sich die Serie hierbei allerdings viel mehr Zeit. In aller Ausführlichkeit sehen wir, wie die Teenagerin Rührei für ihren Vater zubereitet. Die beiden frühstücken zusammen und necken sich, weil Sarah versehentlich Eierschalen mit serviert. Joels Bruder Tommy kommt wenige Augenblicke später herein und beglückwünscht Joel, den "alten Fucker", ebenfalls zum Geburtstag. Eine typische Familie eben.

Aufgrund der Leichtigkeit erinnert mich The Last of Us in den ersten Momenten mehr an eine typische US-Dramedy-Serie à la Shameless als an eine brutale Endzeit-Show. Und diese Leichtigkeit überträgt sich schließlich auch auf mich. In den ersten Minuten macht es Spaß, die liebevollen Neckereien zwischen Joel und Sarah zu verfolgen, insbesondere weil ich die beiden Figuren aus dem Spiel bereits kenne und es spannend zu sehen ist, wie HBO die Dynamik zwischen Vater und Tochter mit zusätzlichen Szenen unterfüttert.

Linda Sprenger
Linda Sprenger

Das Thema The Last of Us begleitet Linda nun schon seit fast zehn Jahren. 2016 schrieb sie ihre Bachelor-Arbeit in Soziologie über das Spiel und musste es deshalb (für die Wissenschaft!) mehrmals beenden und sich bestimmte Abschnitte und Cutscenes so oft ansehen, dass sie heute immer noch mitsprechen kann. Aber auch beruflich hat sie das Thema nie losgelassen: Sowohl der GamePro-Test zu The Last of Us Part 1 als auch Part 2 stammen aus Lindas Feder. Für ihre GamePro-Kolleg*innen ist sie mittlerweile ein wandelndes TloU-Lexikon.

Nach dem kurzen Geburtstags-Frühstück der Millers kommen weitere Szenen, die im Spiel nicht vorkommen: Wir sehen, wie Sarah zur Schule geht und später einen Laden aufsucht, um mit ihrem letzten Taschengeld Joels Uhr reparieren zu lassen. Die schenkt sie ihm nämlich später am Abend. Außerdem besucht sie ihre betagten Nachbarn, bei denen sie offenbar öfter abhängt, wenn Joel geschäftlich unterwegs ist. In diesen alltäglichen Momenten lernen wir Sarah als stinknormalen Teenager kennen, die ihren Vater liebt und ein typisches Leben in einer US-Vorstadt lebt.

Hier könnt ihr euch übrigens noch einmal den deutschen Trailer zur Serie anschauen:

The Last of Us - Der deutschsprachige Trailer zur HBO-Serie ist da Video starten 2:08 The Last of Us - Der deutschsprachige Trailer zur HBO-Serie ist da

Spiel vs. Serie

Im Spiel steuern wir Joels Tochter bekanntlich nur in der Nacht des Ausbruchs, erkunden ihr Zimmer und das Haus der Millers, und lernen über Environmental Storytelling erste Bruchstücke der Hintergrundgeschichte von Joel und Sarah kennen. Etwa indem wir Sarahs handgeschriebene Geburtstagskarte an Joel finden oder in der Zeitung erstmals über den Cordyceps informiert werden.

Die katastrophalen Anfänge des Ausbruchs der Cordyceps-Pandemie erleben wir ebenfalls durch Sarahs Augen und müssen dabei unter anderem mit ansehen, wie Joel einen infizierten Nachbarn erschießt, der den beiden an die Gurgel gehen wollte.

Schon im kurzen Intro konnte ich eine Bindung zu Sarah aufbauen, schlicht und einfach, weil ich sie hier als Spielfigur steuern konnte und die Welt aktiv aus ihrer Perspektive heraus erlebt habe. In der Serie übernehme ich diesen aktiven Part hingegen nicht, sondern bin passive Zuschauerin. HBOs The Last of Us muss sich deshalb zwangsläufig mehr Zeit lassen, damit uns wichtige Charaktere wie Sarah und Joel ans Herz wachsen.

Als Kennerin des Action-Adventures stört mich der verhaltene Aufbau der Serie überhaupt nicht, im Gegenteil: Ich sehe zusätzliche Dialoge und Alltagsszenen als Bereicherung an, weil sie die Figuren aus neuen Blickwinkeln heraus beleuchtet und ich nun noch mehr über sie weiß als zuvor. Die zweite Hälfte der Pilot-Folge hat mir unter diesem Gesichtspunkt sogar noch besser gefallen.

Der Geburtstag von Joel wird auch am Anfang der Serie thematisiert, jedoch viel mehr ausgeschmückt. Der Geburtstag von Joel wird auch am Anfang der Serie thematisiert, jedoch viel mehr ausgeschmückt.

Harter Alltag in der Quarantäne-Zone

Denn auch nach Sarahs dramatischem Tod und dem darauffolgenden Zeitsprung von 20 Jahren setzt die Serie ihre langsame Erzählweise fort. Und das begrüße ich ebenfalls, denn bevor Joel überhaupt auf seine Schmuggler-Kollegin Tess und seine spätere Reisebegleitung Ellie trifft, nimmt sich die Folge erst einmal ordentlich Zeit fürs Wordbuilding und die nähere Vorstellung von Joels Charakter.

Wie hart das Leben der Menschen in der Quarantäne-Zone (kurz: QZ) Bostons ist, zeigt die Serie im Detail: In einer Seitenstraße werden Schnürsenkel gegen Essensmarken verkauft und ein Stückchen weiter übermalen Arbeiter gerade ein Graffiti der militanten Firefly-Gruppierung. Und ein wenig später beobachtet Joel aus der Menge heraus, wie einige Menschen öffentlich gehängt werden, weil sie entgegen der FEDRA-Vorschriften die Quarantänezone verlassen haben. Als Fan sauge ich diese Details auf wie ein Schwamm, weil ich so noch mehr über das postapokalyptische Leben von Joel und Co. erfahre.

Natürlich bekommen wir auch im Spiel kurze Einblicke in die Quarantänezone: So müssen wir mit Joel und Tess beispielsweise mit ansehen, wie einige FEDRA-Soldaten unschuldige Menschen auf offener Straße erschießen. Die Serie schraffiert den zermürbenden QZ-Trott der wenigen Überlebenden Bostons allerdings noch mehr aus und erweitert damit mein Gesamtbild der postapokalyptischen Welt von The Last of Us.

Joels Hintergrundgeschichte bestückt die Pilot-Folge ebenfalls mit zusätzlichen Szenen. Als Schmuggler verkauft der 56-Jährige Drogen an einen offensichtlich süchtigen FEDRA-Schergen. Vor anderen ungemütlichen Aufgaben schreckt Joel ebenfalls nicht zurück, denn auch für das Verbrennen von Leichen ist er sich nicht zu schade – ganz egal ob, es sich hierbei um Erwachsene oder Kinder handelt. So sehen wir, wie er in einer Szene gleich zu Beginn den leblosen Körper eines frisch infizierten Jungen ins Feuer wirft, der zuvor von FEDRA-Leuten neutralisiert wurde.

Joel ist abgeklärt und gnadenlos, wenn es sein muss. Genau diese Charakterzüge vermittelt uns das Spiel in den ersten Stunden primär, indem es uns wiederholt Infizierte oder Menschen töten lässt. Folge 1 der Serie reduziert Kampfpassagen hingegen deutlich; der Part, in dem Joel und Tess mehrere von Roberts Schergen erschießen, ist beispielsweise gar nicht Teil der Serie. Stattdessen fokussiert sie sich auf Joels Alltag in der QZ und gibt dem Charakter damit zusätzliche Tiefe.

Lohnt sich die The Last of Us-Serie als für Fans des Spiels? Nach der ersten Folge kann ich diese Frage mit einem klaren "Ja!" beantworten. Insbesondere als Fan hat mir die Premiere unfassbar gut gefallen. Dank des langsamen Aufbaus und der zusätzlichen Szenen, die im Action-Adventure gar nicht vorkommen, schafft es die Serie, mein Bild von der postapokalyptischen Welt von The Last of Us zu erweitern und neue Facetten der Charaktere zu offenbaren.

Einen Überblick über die Kritiken zur Serie findet ihr hier.

Diese Kolumne ist im Rahmen unserer Horror-Themenwoche erschienen. Eine Übersicht über alle weiteren Artikel, wie beispielsweise unseren Ausblick auf die spannendsten Horrrorspiele 2023, findet ihr hier:

The Last of Us-Serie auf Sky und WOW - Wie geht es weiter?

Die HBO-Serie zu Naughty Dogs postapokalyptischen Hit The Last of Us wird in Deutschland exklusiv auf Sky ausgestrahlt und kann über die Sky-Streamingdieste WOW und Sky Q gestreamt und geschaut werden.

Die Folgen werden wöchentlich ausgestrahlt, in der Nacht vom 22. auf den 23. Januar erscheint die zweite Folge der Show. Den kompletten The Last of Us-Sendeplan auf Sky/WOW findet ihr in dieser GamePro-Übersicht.

Wie fandet ihr die erste Folge der Serie zu The Last of Us?

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