Xbox Series X hebt Abwärtskompatibilität auf ein neues Level

Seit einer knappen Woche haben wir eine Xbox Series X im (Home) Office. Unsere ersten Eindrücke zu Spiel-Performance, Ladezeiten und Quick Resume.

von Tobias Veltin,
06.10.2020 18:01 Uhr

GamePro.de hat bereits eine Xbox Series X, hier sind unsere ersten Eindrücke. GamePro.de hat bereits eine Xbox Series X, hier sind unsere ersten Eindrücke.

Seit Mitte letzter Woche hat GamePro.de eine Xbox Series X in der Redaktion, die uns von Microsoft für Preview-Zwecke zur Verfügung gestellt wurde. Ich bin der Glückliche, bei dem die Konsole derzeit im Home Office steht und in den vergangenen Tagen konnte ich mir ein erstes Bild von Microsofts Next Gen-Flaggschiff machen. Und was mir dabei bislang aufgefallen ist, will ich euch nachfolgend erzählen.

Vorab, und das ist mir sehr wichtig: Wie schon die US-Kollegen darf ich bislang nur über bestimmte Teilbereiche der Xbox Series X sprechen (Abwärtskompatibilität, Ladezeiten, Quick Resume). Andere Elemente, wie Details zur Hardware, der Speichererweiterung oder den für Xbox Series X optimierten Spielen stehen noch unter einem Embargo.

Ich habe zuhause zudem keine ähnlich hochwertige technische Messausstattung wie die von mir sehr geschätzten Kollegen von Digital Foundry, kann also nicht mit genauen Frameangaben, Sekundenvergleichen oder ähnlichem dienen. Es handelt sich also um meine bisherigen, rein subjektiven Eindrücke der Xbox Series X.

Legen wir also los. Zur Ergänzung sei noch einmal erwähnt, dass ich die finale Verkaufsversion der Xbox Series X besitze, die Software bzw. System darauf (zu dem auch das Dashboard etc. zählt) ist hingegen noch nicht final.

Die Series X funktioniert, bei der Series S (links) handelt es sich nur um ein Dummy-Modell. Die Series X funktioniert, bei der Series S (links) handelt es sich nur um ein Dummy-Modell.

Abwärtskompatibilität

Microsoft hat ja im Vorfeld bereits groß damit geworben, dass die Xbox Series X die Konsole mit dem größten Launch-Lineup aller Zeiten sein soll. Und das stimmt auch - allerdings nur, wenn wir die abwärtskompatiblen Spiele mit einberechnen. Und die erstrecken sich tatsächlich über Xbox One und Xbox 360 bis hin zur allerersten Xbox, wenn von den letztgenannten auch nur über ausgewählte Titel.

Im Preview-Programm, in dem "meine" Xbox Series X derzeit ist, werden aktuell etwa 1100 Spiele unterstützt, hauptsächlich Xbox One-Titel. Das sind längst nicht alle, im fertigen AK-Programm werden es noch deutlich mehr sein. Und ja, ich habe tatsächlich die Liste abgeglichen, bin in den Keller marschiert und habe in schon ordentlich angestaubten Kisten ein paar Xbox 360-Spiele rausgekramt, um die AK-Fähigkeiten der Xbox Series X zu testen.

Die von mir getesteten 360-Spiele (hier Metal Gear Rising: Revengeance) funktionierten einwandfrei. Die von mir getesteten 360-Spiele (hier Metal Gear Rising: Revengeance) funktionierten einwandfrei.

Nachfolgend eine Liste von einigen Titeln, die ich bislang ausprobiert habe, in loser Reihenfolge:

Wie funktioniert die Abwärtskompatibilität? Ganz simpel und problemlos. Habe ich einen unterstützten Titel digital in meiner Bibliothek, wird dieser in der Spielübersicht erkannt und ich kann ihn auf der Series X-SSD installieren und direkt loszocken, Speicherstände werden dank Cloud-Save ebenfalls übernommen. 360-Discs erkennt die Konsole und lädt das Spiel dann noch einmal digital herunter (meist um die 8 GB), danach kann es losgehen. One-Discs wurden bei meinen Tests ebenfalls problemlos erkannt, eventuell muss sich die Konsole noch ein Update des Titels ziehen, falls ihr das länger nicht gemacht habt. Das komplette Spiel muss aber nicht heruntergeladen werden.

Meine Eindrücke: Absolut hervorragend. Jedes der von mir ausprobierten Spiele lief ohne ein einziges Problemchen und stellenweise wirklich deutlich merkbar optimiert. Wo ich bei einer Schnellreise-Ladesequenz im All bei No Man's Sky beispielsweise auf meiner Xbox One X minimale Ruckler bemerkte, lief auf der Series X alles sauber. Auch die Framerates kamen mir zu jeder Zeit absolut konstant und ohne nennenswerte Drops nach unten vor. Viele der oberen Titel waren zwar schon auf der Xbox One X optimiert, aber in meinen Sessions kam mir das alles tatsächlich noch ein Mü sauberer vor.

Auf der Xbox One X schon ein Genuss, auf der Series X ebenso: Doom Eternal. Auf der Xbox One X schon ein Genuss, auf der Series X ebenso: Doom Eternal.

Das liegt wohl daran, dass die Xbox Series X Spiele ohne Framelock (wie etwa GTA 4) fast ohne Ausnahme auf 60 fps boostet, das zeigen jedenfalls Tests anderer Outlets. Spiele mit einem Framelock bei 30 fps dagegen kann das System offenbar noch nicht überlisten, nichtsdestotrotz wirken auch solche Spiele durch die reine Konstanz der Frames ohne Ausreißer nach unten wesentlich flüssiger und angenehmer.

Und das sind teilweise Titel, die noch nicht einmal besonders für die Xbox Series X optimiert wurden, bei der also nur die "normalen" Standard-Operationen greifen. Kein Wunder also, dass ich mich sehr schnell gewöhnt habe. Sogar so schnell, dass ich mir nicht mehr vorstellen kann, jemals wieder ein abwärtskompatibles Spiel auf der Xbox One X zu zocken.

Auch wenn ich mich natürlich ein bisschen aus dem Fenster lehne, habe ich trotzdem die Überschrift für diesen Artikel gewählt. Durch die gute Einbindung, die riesige unterstützte Bibliothek und die merkbaren Verbesserungen für alle von mir getesteten Spiele (alle 1100 Spiele hab ich leider nicht) hebt die Xbox Series X Abwärtskompatibilität für mich auf ein neues Level - schon jetzt, nach den ersten Eindrücken aus dem Preview-Programm.

Ladezeiten

Das ist so ein Punkt, über den im Vorfeld viel geschrieben und erzählt wurde, den ich aber erst jetzt wirklich nachvollziehen kann. Und vor allem ist es ein Punkt, den ich schon nach der ersten knappen Woche nicht mehr missen möchte. Die Ladezeiten der Xbox Series X sind dank der integrierten SSD schnell. Sehr schnell sogar. Natürlich variieren die Zeiten von Spiel zu Spiel, aber der Unterschied zur Xbox One X ist stellenweise wirklich gravierend.

Ich bin flotter im Hauptmenü, schneller im Spiel, werde nach einem Tod in Doom Eternal in gefühlten Milisekundenschnelle wiederbelebt, und verbringe so tatsächlich effektiv mehr Zeit mit Gameplay. JEDES der oben genannten Spiele hat von der SSD profitiert, es gibt keine Ausnahme.

Bei einem besonders krassen Beispiel habe ich tatsächlich mitgestoppt: Bei der Anfangs-Ladesequenz von Red Dead Redemption 2 vergehen auf meiner Xbox One X etwa anderthalb Minuten, die Xbox Series X braucht dafür eine ganze Minute (!) weniger.

Auch Forza Horizon 3 profitiert von den deutlich flotteren Ladezeiten - insbesondere in der allerersten Ladesequenz. Auch Forza Horizon 3 profitiert von den deutlich flotteren Ladezeiten - insbesondere in der allerersten Ladesequenz.

Ähnlich gravierend waren die Unterschiede bei den anderen oben genannten Spielen zwar nicht, aber immerhin so deutlich, dass ich sie sofort als deutlich angenehmer empfunden habe. Und auch hier reden wir von Spielen, die noch nicht für die Series X optimiert sind. Es wird zukünftig also vermutlich eher sogar noch besser werden.

Ich hatte jedenfalls nicht unbedingt erwartet, dass man sich so schnell an diese "Quality-of-Life-Verbesserung" gewöhnt. Aber die Ladezeiten auf der Xbox Series X haben mich schon jetzt versaut. Eine Rückkehr zur Xbox One X? Wie bei der Abwärtskompatibilität zumindest aktuell für mich kaum denkbar.

Quick Resume

Darüber dürften viele von euch auch bereits einiges gelesen haben. Mit der Xbox Series X kann ich jetzt zwischen mehreren Spielen hin- und herwechseln, die Titel laufen im Speicher hinterlegt quasi parallel. Bevor ich die Series X zuhause hatte, habe ich mir tatsächlich oft die Frage gestellt: "Braucht man das wirklich?".

Und jetzt, wo ich das Feature schon ausgiebig getestet hab, stelle ich mir die Frage immer noch. Ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, wie oft ich persönlich Quick Resume wirklich brauchen werde, weil ich mich meistens ohnehin nur auf ein Spiel konzentriere. Rein technisch gesehen ist das Feature aber trotzdem sehr beeindruckend und klappte bis auf ein paar Ausnahmen tatsächlich reibungslos.

Von Darksiders zu Forza, dann zu Ori und wieder weiter zu Metal Gear Rising: Revengeance: kein Problem, nach Druck auf den Guide-Button und Auswahl des entsprechenden Spiels war ich innerhalb von 10-15 Sekunden drin und konnte an exakt der gleichen Stelle weitermachen, an der ich aufgehört hatte.

Wechselt ihr zu einem Titel in der Quick Resume-Funktion, wird euch oben rechts ein kleiner Hinweis eingeblendet. Wechselt ihr zu einem Titel in der Quick Resume-Funktion, wird euch oben rechts ein kleiner Hinweis eingeblendet.

Die von mir ausprobierte Maximalzahl an gleichzeitig laufenden Spielen war bislang 4, anscheinend sind aber auch bis zu 12 möglich. Hier stelle ich mir aber tatsächlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit, derart viele Spiele gleichzeitig offen zu haben.

Einen echten Wow-Faktor hatte die Quick Resume-Funktion für mich dann aber doch zu bieten: An einem Abend spielte ich Ori and the Blind Forest, pausierte und fuhr die Konsole herunter, in dem Glauben, das Spiel am nächsten Tag wieder neu laden zu müssen. Als ich nach dem Kaltstart dann ins Spiel ging, das "Quick Resume"-Logo in der Ecke sah und genau an dieser Stelle weiterzocken konnte, war das schon sehr cool und etwas, das ich so von Konsolenspielen tatsächlich noch nicht kannte.

Erste Einschätzung der Redaktion

Tobias Veltin
@FrischerVeltin

Die Xbox Series X hat mir in den ersten Tagen schon enorm viel Spaß gemacht. Und das ist umso erstaunlicher, weil ich darauf bislang noch keinen "echten" Next-Gen-Titel spielen konnte, sondern bislang nur mit der Abwärtskompatibilität und der Quick-Resume-Funktion herumgespielt habe. Das hat aber schon gereicht, um ein Gefühl dafür zu bekommen, worin die Stärken dieser nächsten Xbox-Generation liegen. Große Kompatibilität, flotte Ladezeiten und viele "Quality of Life"-Verbesserungen, die unter dem Strich bislang dafür sorgen, dass sich das alles für mich auch ohne Grafik- und Bombastfeuerwerke tatsächlich wie der nächste Schritt - eben die nächste Generation - anfühlt.

Natürlich habe ich ich erst ein paar Tage mit der Konsole verbracht, aber ihr habt ja gelesen, dass die Series X mich schon in dieser kurzen Zeit in bestimmten Bereichen versaut hat. Und meiner Meinung nach darf das auch bitte gerne so weiter gehen.

Das war es jetzt erstmal mit meinen ersten Eindrücken. Bald darf ich euch noch mehr zur Xbox Series X erzählen und dann auch einige eurer Fragen beantworten. Ich bitte aber noch um etwas Geduld!

zu den Kommentaren (430)

Kommentare(430)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.