Es ging bereits durch die Gerüchteküche, jetzt ist es auch offiziell: Warhorse Studios hat ein Current Gen-Upgrade für das Mittelalter-RPG Kingdom Come: Deliverance 1 angekündigt. Ab sofort könnt ihr das Spiel auf PlayStation 5 (Pro) und Xbox Series X/S unter anderem mit besserer Auflösung und höherer Framerate spielen.
Ich hatte vorab die Möglichkeit, mir die Upgrade-Version auf der PlayStation 5 anzuschauen und mit der mittlerweile über sieben Jahre alten PlayStation 4 (Pro)-Variante zu vergleichen. Und habe dabei sowohl Licht als auch Schatten gesehen.
Hier könnt ihr euch den Trailer zum KCD-Upgrade anschauen:
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Kingdom Come Deliverance: Current Gen-Version für PS5 und Xbox Series enthüllt - und sie ist ab sofort verfügbar
Die technischen Verbesserungen des Current Gen-Upgrades von KCD1 im Detail
Grundsätzlich profitiert Kingdom Come: Deliverance auf den Current Gen-Konsolen wenig überraschend von der größeren Hardware-Power der aktuellen Systeme. Das äußert sich unter anderem in folgenden Elementen:
- Höhere Weitsicht: Details wie Felsen, Schubkarren oder Vegetationselemente wie Büsche erscheinen bereits in höherer Distanz.
- Mehr Umgebungsdetails: In der Umgebung liegen beispielsweise unbenutzte Bretter und Äste herum, auf Tischen sind zusätzliche Schälchen zu erkennen.
Links unten fehlen vor der Taverne beispielsweise die Felsen, Bretter und einige Flecken Gras, rechts zudem die matschige Pfütze. Auch an der Tavernenwand ziehen sich keine Ranken mehr nach oben.
- Dichtere Vegetation: Mehr Büsche, Farne oder dichter bewachsene Grasflächen.
- Neue Partikeleffekte: Im Vergleich zur PS4-Version staubt es in Innenräumen deutlich sichtbarer, die Partikel werden zudem vom einfallenden Licht angestrahlt.
- Höheres Level of Detail: Objekte behalten auch auf größere Distanz ihren Detailgrad bei.
- Weniger aufdringliches Geflimmer: KCD1 nutzt ähnlich wie auch Teil 2 einen leichten Schärfezeichner beim Upscaling. Bei der PS5 ist dieser Effekte reduziert, weswegen das Spiel nicht mehr so stark flimmert.
- Ausdefiniertere Pfützen, die anders als bei der PS4 dank Screen Space Reflections auch die Umgebung reflektieren.
Während ich mich auf die technischen Details fokussiert habe, hat sich Kollegin Steffi von der GameStar übrigens die spielerische Seite näher angeschaut:
Parallax Occlusion Mapping und höhere SVOGI-Qualität
Durch das sogenannte Parallax Occlusion Mapping bekommen außerdem sämtliche Texturen deutlich mehr Tiefe, während sie auf der PS4 wesentlich flacher aussehen.
Parallax Occlusion Mapping verpasst eigentlich flachen Bodentexturen tiefe Furchen. Auf der PS4 Pro fehlt die Funktion.
Die höhere SVOGI (Sparse Voxel Octree Global Illumination)-Qualität sorgt zudem dafür, dass die Schatten in der Spielwelt deutlich ausdefinierter sind, was die gesamte Spielwelt kontrastreicher und damit auch realistischer werden lässt.
Innenräume sind jetzt wegen richtig finster, da SVOGI mit einer viel höheren Präzision Schatten zeichnet. Einfallendes Licht erhellt zudem Staubpartikel, die in der Umgebung herumschwirren.
Durch den Einsatz dieser beiden Techniken gewinnt Kingdom Come: Deliverance auf der PlayStation 5 (Pro) deutlich an optischer Qualität.
Außerdem funktioniert die indirekte Beleuchtung in der PS5-Version besser. Beispielsweise erhellen Sonnenstrahlen, die vom Boden reflektiert werden, jetzt sichtbar artefaktfreier die Umgebung.
Für mehr Hintergründe zu SVOGI könnt ihr hier einen weiteren Artikel lesen:
So schön wie noch nie: Grundsätzlich rückt die Upgrade-Version für PlayStation 5 und Xbox Series X/S damit sehr nah an die PC-Version mit Ultra-Einstellungen heran. Derart schön und detailliert konntet ihr Kingdom Come: Deliverance 1 bislang jedenfalls nur auf dem Rechner spielen.
Holz- und Steintexturen fallen in der PS5-Version weitaus schärfer aus und bieten deutlich mehr Details.
Leistungsdaten der Current Gen-Version
Die verbesserte Auflösung und höhere Framerate der Current Gen-Version ist auf dem Papier ein weiterer Vorteil gegenüber der Last Gen-Fassung. Ich habe bei meinen Tests folgende Leistungsdaten gemessen:
- PS4 Pro: zu Großteilen stabile 30 fps; 1080p
- PS4 Pro-Version auf PS5: feste 30 fps; 1080p
- PS5-Version: 35 bis 60 fps, sehr schwankend; 1440p
- PS5 Pro-Version: 40 bis 60 fps, viel häufiger bei 60 fps; 1440p
Auch, wenn 60 fps als Maximum möglich sind, gibt es leider viele Gebiete, in denen die Framerate merkbar heruntergeht. Mir ist das vor allem in Ortschaften und Burgen, bei Regenschauern, sowie Szenen mit hoher Weitsicht aufgefallen. Ruhig fühlt sich Kingdom Come Deliverance 1 ohne VRR jedenfalls nur selten an.
Das bringen die "HD-Texturen": In den Optionen habt ihr die Möglichkeit, die hochauflösenden Texturen des Current Gen-Upgrades auszuschalten und auf ein noch immer der PS4-Version überlegenes Level zu bringen. Im Gegenzug läuft das Spiel etwas häufiger bei 60 fps, es kommt aber dennoch zu den zuvor genannten, heftigeren Framerate-Einbrüchen.
Wieso ruckelt Kingdom Come: Deliverance 1 in vielen Momenten so stark?
Da uns keine genauen Hardware-Metriken von der PS5-Version vorliegen, können wir an dieser Stelle nur Vermutungen anstellen. Aus der Modding-Szene ist lediglich bekannt, dass die PS4-Version von KCD1 sehr CPU-lastig ist, vor allem auf dem "ersten" Kern des Prozessors:
Aufgrund der komplexeren Umgebungsdarstellung der Current Gen-Fassung und einer höheren Weitsicht, wäre es durchaus denkbar, dass sich die CPU-Last auf dem ersten Kern noch weiter verstärkt hat und dann sogar auf der PS5 Pro zum Flaschenhals wird.
Mehr zu der Funktionsweise der "geheimen" Framerate-Verdopplung:
Die Probleme der Current Gen-Version von KCD1
Optisch hat Warhorse bei den PS5- und Xbox Series X/S-Versionen von Kingdom Come: Deliverance spürbar nachgelegt, allerdings sind mir auch einige Dinge aufgefallen, die im Vergleich zum Original nicht korrigiert wurden und die ich deshalb unter "Altlasten" verbuche:
- Clippingfehler bei der Kleidung von Charakteren
- keine Lippensynchronität bei der deutschen Sprachausgabe
- stocksteif animierte und wenig ausmodellierte Charaktermodelle
- massiv veraltete Gesichtsanimationen
Zudem ist es sehr ärgerlich, dass die Current Gen-Version von KCD1 von sich aus keine modernen TV-Features unterstützt. HDR gibt es wie in der Launch-Version von Teil 2 gar nicht, und auch ein richtiger VRR-Modus fehlt. Und das verstärkt dann für mich auch das große Problem der PS5-Version.
Ruckler unter 48 fps werden nicht von VRR abgemildert, weil das Spiel in 60 Hz ausgegeben wird. Die Low Framerate Compensation der PS5 wird aber ausschließlich bei 120 Hz aktiv. Trotz per Systemeinstellung forciertem VRR kommt die Bildausgabe also regelmäßig ins Stottern.
Und da es keine Option gibt, eine feste 30 fps- oder 40 fps-Einstellung mit gleichmäßiger Frame-Verteilung festzulegen, läuft Kingdom Come: Deliverance infolgedessen auf der PS5 holpriger als es müsste – zumindest eine auf 30 fps festgesetzte Einstellung mit der höchsten Grafikqualität hätte hier meiner Meinung nach sein müssen.
Mehr VRR-Spielraum auf der Xbox Series X:
Auf den Xbox-Konsolen kann die 120 Hertz-Ausgabe auf Systemebene aktiviert werden, daher sollte auch in der Current Gen-Version von Kingdom Come: Deliverance 1 durchweg die Low Framerate Compensation von VRR ihre Wirkung entfalten.

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