One Piece: Im Manga stiehlt ein Charakter allen die Show - und er fehlt mir jetzt schon

Der im One Piece-Manga laufende Elban-Arc besteht inzwischen zum Großteil aus einem Flashback. Jusuf ist das ganz Recht – immerhin erfahren wir hier mehr über einen der besten Charaktere des vergangenen Jahrzehnts.

Jusuf hat eine Figur aus One Piece zuletzt besonders ins Herz geschlossen. Jusuf hat eine Figur aus One Piece zuletzt besonders ins Herz geschlossen.

Im One Piece-Manga befinden wir uns seit Monaten in einer großen Rückblende rund um den ebenso tragischen wie legendären God-Valley-Vorfall. In dieser Erzählung nimmt ein Pirat eine tragende Rolle ein, der uns innerhalb des Universums als berüchtigter Bösewicht verkauft wurde.

Die tatsächlichen Ereignisse weichen jedoch stark davon ab - und die ergeben ein Bild des “Schurken”, das mir so viel Freude bereitet wie zuletzt Donquixote Doflamingo vor rund zehn Jahre.

Spoilerwarnung: Im folgenden Text gehen wir auf die Handlung des One Piece-Mangas bis einschließlich Kapitel 1.165 ein. Ihr könnt den Manga wie gewohnt auf der offiziellen Verlagsseite Mangaplus Shueisha nachlesen; neue Kapitel erschienen gewöhnlich immer sonntags um 16 Uhr deutscher Zeit.

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Rocks verkörpert eine andere Form der Freiheit

Eines der zentralen Themen in One Piece ist die Freiheit. Strohhutkapitän Ruffy selbst erklärte den König der Piraten zum "freiesten Menschen der Welt", der zusammen mit der Kraft der Freundschaft über die Weltmeere segelt.

Durch diese Linse beleuchten wir als Leser*innen auch diesen Freiheits-Begriff. Rocks D. Xebec, um den sich die aktuelle God-Valley-Rückblende primär dreht, bietet hier einen so radikalen Gegenentwurf zu Ruffys Crew, dass er zwangsläufig im Gedächtnis bleibt.

Denn bei Rocks' Piratenbande gibt es keine "echte" Freundschaft oder klassisch geordnete Hierarchie. Wer stark genug ist, nimmt, was er kriegen kann. Diese Art der Freiheit ist ungefiltert und rücksichtslos - und genau das macht sie für mich interessanter, da sich so wesentlich komplexere Geschichten zwischen Charakteren erzählen lassen.

Jusuf Hatic
Jusuf Hatic

Für Jusuf war der letzte fantastische One Piece-Bösewicht Donquixote Doflamingo, der sich mit seiner perfide charismatischen Persönlichkeit, einer komplexen Vergangenheit und erbarmungslosem Vorgehen in sein Gedächtnis gebrannt hat. Weder Big Mom noch Kaido reichen da heran - doch deren Kapitän holt die Kohlen aus dem Feuer.

Rocks ist ein Pirat, wie er im Buche steht - aber mit menschlichen Motiven

In vielen Geschichten werden Piraten oft überspitzt beschrieben: Ungepflegte, chaotische und skrupellose Plünderer, die vor nichts Halt machen, um Angst und Schrecken zu verbreiten.

In One Piece hat die Weltregierung Rocks D. Xebec ähnlich dargestellt: Ein gesichtsloser Schurke, dessen einziger Antrieb Macht und Zerstörung sein soll.

Die Rückblende zeigt: Zumindest in der One Piece-Welt ist diese Darstellung bloße Propaganda.

Rocks' erstes Auftreten auf Elban mag brutal wirken. So bedroht er ohne mit der Wimper zu zucken den Riesen-Prinzen Loki, um an dessen Vater Harald zu gelangen.

Diese Szene passt auf den ersten Blick in das Narrativ der Weltregierung, offenbart ihr wahres Gesicht aber direkt im Anschluss: Rocks möchte den Riesen-König vom Beitritt in seine Crew überzeugen - auch, damit die Weltregierung ihn nicht für ihre Zwecke einspannen kann, mit der Rocks auf Kriegsfuß steht.

Auch Piraten haben eine Familie

Der entscheidende Moment, der mich endgültig zum Rocks-Fan werden ließ, kommt allerdings beim God-Valley-Vorfall. Während fast alle anderen Beteiligten beim Jagdwettbewerb nach Shakujaku greifen - die als Preis ausgerufen wurde - oder um Profit und Ruhm kämpfen, hat Rocks eine ganz andere Motivation.

Seine Frau Eris und sein junger Sohn Marshall D. Teach befinden sich nämlich als Sklaven auf God Valley. Rocks kämpft also (entgegen dem Piraten-Stereotypen) nicht für Gold oder Ruhm, sondern um die Freiheit seiner Familie zurückzugewinnen.

Statt eines chaotischen, machtbesessenen Verbrechers, erhalten wir hier den Eindruck eines Mannes, der zielgerichtet und nicht aus einer boshaften Laune heraus handelt.

Rocks ist nicht der gefühllose Tyrann, als der er uns verkauft wurde - er ist mindestens teilweise ein Vater und Ehemann, der bereit ist, sich einer ganzen Insel voller Feinde entgegenzustellen, um seine Lieben zu retten. Das macht ihn menschlich und dadurch weitaus spannender als die meisten One Piece-Schurken der vergangenen zehn Jahre.

Echte Loyalität an Rocks' Seite

Als ob das nicht genug wäre, setzt Rocks auf dem Höhepunkt der Rückblende noch einmal einen Stich in mein Herz. Als Imu persönlich eingreift und Rocks auf der Insel gegenübersteht, flieht der Pirat nicht. Er stellt sich - und überraschenderweise tun Whitebeard und Kaido das Gleiche: Sie stellen sich an die Seite ihres Anführers.

Das ist kein Pflichtbewusstsein. Das ist kein Befehl. Das ist nicht einmal taktisch sinnvoll; beide riskieren ihr Leben für Null persönlichen Gewinn. Sie tun es, weil sie Rocks respektieren. Sie tun es, weil die Rocks-Piratenbande trotz ihrer hierarchielosen Struktur eine Art von Zusammenhalt besitzt, die über reinen Opportunismus hinausgeht.

Diese Szene stellt den Beweis, was viele Kapitel vorher nur angedeutet wurde: Rocks ist kein Diktator, den seine Crew aus Angst vor Konsequenzen unterstützt.

Er ist ein Anführer, dem die Mitglieder der Piratenbande aus Respekt folgen, auch wenn es nie laut gesagt wird. Später sollten Whitebeard und Kaido beide zu Kaisern der Meere aufsteigen, doch in diesem Moment sind sie einfach nur loyale Weggefährten, ohne das Wort "Freundschaft" in den Mund zu nehmen.

Die Wahrheit über God Valley ist zeitgleich das tragische Ende von Rocks

Gegen die mächtigen Fähigkeiten von Imu hilft aber auch diese Unterstützung nichts. Stattdessen müssen Whitebeard, Kaido und alle bei Bewusstsein gebliebenen Charaktere mit ansehen, wie Rocks von Imu in einen Dämon verwandelt wird, damit dieser seine Familie tötet. Erst ein ungleiches Bündnis zwischen Gol D. Roger und Monkey D. Garp war in der Lage, ihn aufzuhalten.

Statt des "ultimativen Bösewichts" war Rocks D. Xebec für mich ein Charakter, der lange vermisste Stärken in One Piece wieder aufblitzen ließ: Ein vielschichtiger Mensch mit bewegenden Motivationen, der dazu noch den Inbegriff des Piratenkönigs für mich wesentlich besser darstellt, als es Roger bisher tat.

Ich werde vor allem nach dem tragischen Ende seiner Geschichte noch eine Weile brauchen, mich vom besten Piraten zu trennen, den One Piece seit einem Jahrzehnt hervorgebracht hat.

Und jetzt bin ich gespannt, wie ihr zu Rocks steht? Ist er für euch ebenfalls einer der besten Charaktere in One Piece?

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