The Quarry angespielt: Zurück zum guten Horror-Trash von Until Dawn

Das Koop-Horrorspiel entpuppt sich beim ersten Anspielen als genau das, was sich Fans von Supermassive Games bislang größtem Erfolg erwünschen: Schicker Grusel-Trash.

von Dennis Michel,
26.05.2022 15:00 Uhr

The Quarry von Supermassive Games in der GamePro-Preview The Quarry von Supermassive Games in der GamePro-Preview

Bevor es später im Jahr mit einem weiteren Spiel der The Dark Pictures-Reihe weitergeht, erscheint bereits am 10. Juni für PS4, Xbox One, die neue Konsolen-Generation und PC das Horror-Abenteuer The Quarry, das qualitativ an Supermassive Games größten Erfolg Until Dawn heranreichen soll. Falls ihr an dieser Stelle beim Blick auf den Autor des Artikels einen weiteren Verriss erwartet, müssen wir euch leider enttäuschen. The Quarry entpuppt sich beim ersten Anspielen zwar als Trash, jedoch der von der guten Sorte.

Das konnten wir spielen: Das zweite und dritte Kapitel des Spiels mit einer Dauer von ca. einer Stunde. Dabei war The Quarry nur im Singleplayer spielbar.

Yippie, mir blutet das Ohr!

Zunächst wollen wir eine Illusion zerstören: Wer beim Blick auf den Entwickler warum auch immer an eine erwachsene Horrorgeschichte mit vielschichtigen Charakteren gehofft hatte, den müssen wir sofort auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Denn The Quarry greift dermaßen tief in die Klischee-Kiste, dass es dabei eigentlich schon dort hinein fällt.

In The Quarry schlüpfen wir nämlich erneut in die Rollen von Teenagern, die im Sommercamp am See mit "Wahrheit oder Pflicht"-Spielchen ihre besten Tage verbringen. Vom komplett verblödeten Schönling über die sexualisierte, Männer-verschlingende Blondine bis hin zur nerdigen Jungfrau wird hier jeder Abziehcharakter eines trashigen Teen-Horror-Films hervorgekramt.

Einen Eindruck gefällig? Bitte hier entlang:

The Quarry - Das neue Horror-Spiel hat im 30-minütigen Gameplay starke Until Dawn-Vibes 30:51 The Quarry - Das neue Horror-Spiel hat im 30-minütigen Gameplay starke Until Dawn-Vibes

Die zahlreichen Dialoge sind dabei im Vergleich zur The Dark Pictures-Reihe, die sich für unseren Geschmack viel zu ernst nimmt, jedoch so abgrundtief belämmert, dass es schon wieder Spaß macht. Der Faden zwischen gutem und schlechtem Trash ist ein dünner, doch Supermassive trifft scheinbar gleich Until Dawn den richtigen Ton.

Gameplay: Typisch Supermassive

Habt ihr Until Dawn oder eines der Dark Pictures-Spiele wie Man of Medan, Little Hope oder House of Ashes im Singleplayer oder mit Freund*innen im Koop gezockt, seid ihr bereits bestens informiert. Ihr lauft teils in der Third Person, leider auch teils in Abschnitten mit fester Kamera durch schicke Kulissen und sammelt den ein oder anderen Hinweis auf einen möglichen Fortgang der Geschichte.

In The Quarry mit seinen 186 verschiedenen Enden dreht sich nämlich erneut im Kern alles um eure Entscheidungen, welche die Handlungen und Schicksale einzelner Personen bestimmen. Klettere ich auf der Flucht vor einem Monster auf einen Baum oder renne weiter den Weg entlang? Springe ich heldenhaft zur vor Angst kreischenden Blondine ins Wasser oder gehe dem ominösen Geräusch aus dem Wald auf den Grund? Welche Wahl die richtige ist, ist Supermassive-typisch oft nur schwer einzuschätzen. Da das Spielprinzip aber auf das wiederholte Durchspielen ausgelegt ist, können wir hier beide Augen zudrücken.

Love is in the air: Kommt es gleich zum romantischen Kuss oder wird einer der beiden zuvor bestialisch von einem Monster verspeist? All das erfahren wir am 10. Juni. Love is in the air: Kommt es gleich zum romantischen Kuss oder wird einer der beiden zuvor bestialisch von einem Monster verspeist? All das erfahren wir am 10. Juni.

Luft anhalten als Gameplay-Innovation: Abseits der Entscheidungen wird wie gewohnt fleißig im rechten Moment auf dem Controller herumgedrückt – Quick Time Events dürfen in einem Spiel von Supermassive natürlich nicht fehlen. Abseits davon durften wir während der kurzen Preview auch mal eine Schrotflinte in die Hand nehmen und auf Melonen schießen und auf einer Flucht für 20 Sekunden den X-Button unseres Controllers ganz doll lieb haben. Den mussten wir nämlich drücken um unsere Luft anzuhalten, damit uns ein nahes Monster nicht bemerkt.

Ihr seht, rein vom Gameplay bleibt alles beim Alten. Wem das in den Spielen zuvor getaugt hat und es als kleine Auflockerung zwischen den Cutscenes sieht, für den dürfte das locker ausreichen.

Wichtige Info zum Online-Koop: Zum Release von The Quarry wird neben dem Singleplayer und dem Movie-Modus ausschließlich der lokale Couch-Koop spielbar sein. Der Online-Koop soll laut PR erst im Juli nachgereicht werden, was für viele Fans ein ordentlicher Dämpfer sein dürfte.

Optik-Check: The Quarry schaut gut aus!

Optisch macht The Quarry im direkten Vergleich zur The Dark Pictures-Reihe einen sichtbaren Sprung nach vorn. Zwar konnten wir bislang nur die PC-Version anspielen, die deutlich verbesserten Gesichtsanimationen sollten aber auch auf PlayStation- und Xbox-Konsolen im Horrorpaket mit dabei sein.

Brenda Brenda ist die Anführerin der Truppe

Evan Evan der schüchterne Nerd, der es aber eigentlich faustdick hinter den Ohren hat.

Ariel Ariel ist vom Typ introvertierter Nerd

Zach Zach ist der Klischee-Footballer, der immer die heißesten Mädchen abbekommt.

Das Problem früherer Spiele war, dass Man of Medan und Co. auf Standbildern grafisch ziemlich ordentlich aussahen, sobald die Figuren jedoch den Mund aufmachten, sah das teils arg merkwürdig aus – auch, da die deutsche Lippensynchronisation oft nicht passte. Generell wirkt The Quarry optisch hochwertiger und so, als sei mehr Budget in die Produktion des Horrorspiels geflossen.

Meinung der Redaktion

Dennis Michel
DemiGorgon

Als bekanntlich größter Fan der Supermassive-Spiele war es mir erneut eine Ehre, vorab einen Blick auf den kommenden Horror zu werfen. Doch Ironie beiseite: The Quarry macht im direkten Vergleich zur The Dark Pictures-Reihe einen weit besseren Eindruck – und das nicht nur optisch.

Zwar bleibt spielerisch so gut wie alles beim Alten, – ihr trefft Entscheidungen und meistert Quick Time Events – doch bei der grundsätzlichen Stimmung wird hier ein wesentlich stimmigeres Gesamtbild präsentiert. The Quarry ist Teen-Trash, der sich gefühlt von der ersten Sekunde an selbst nicht ernst nimmt, was ja auch voll ok ist.

Ich habe kein Problem damit, Klischee-Blondinen vor dem Monster aus der Tiefe zu retten oder den Schul-Schönling den Monstern zum Fraß vorzuwerfen. Das verspricht einen spaßigen Koop-Abend. Nimmt sich solch ein Spiel wie Little Hope oder House of Ashes aber zu ernst, sind mir die Figuren egal.

Was den Horror anbelangt, werde ich wohl nicht aus den Socken gerissen. Aber solch eine Art Horrorspiel muss ja nicht zwingend gruselig sein, wenn es stattdessen unterhält.

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