Ich habe die LEGO-Steine-Revolution ausprobiert und der Preis ist das geringste Problem von Smart Play

LEGO hat ein komplett neues Spielsystem mit Smart Play vorgestellt. Unser Klemmbaustein-Liebhaber Basti durfte es sich bereits anschauen.

LEGO hat den Smart Brick vorgestellt und wir konnten ihn bereits ausprobieren. LEGO hat den Smart Brick vorgestellt und wir konnten ihn bereits ausprobieren.

Schon lange wurde über ein neues Spielsystem von LEGO gemunkelt und mittlerweile wurde es vom Baustein-Konzern unter dem Namen Smart Play enthüllt. Ich konnte mir das System als einer der ersten auf einem Event in London in Aktion anschauen und während die meisten noch über den Preis grübeln, habe ich ganz andere Bedenken.

Das ist Smart Play

Bevor ich zu meiner Einschätzung komme, müsst ihr erstmal wissen, worum es bei dem neuen System überhaupt geht. Es besteht grundsätzlich aus drei Elementen: 

  • Smart-Bricks: 2x4-Steine, die Sounds abspielen und in unterschiedlichen Farben leuchten.
  • Smart-Tags: 2x2-Fliesen mit einem bereits aufgeklebten Sticker, der einen Empfänger enthält
  • Smarte Minifiguren: Normale Minifiguren, die jedoch einen Smart-Tag am Oberkörper haben

Hier könnt ihr euch das Smart Play-System im Video anschauen:

Video starten 1:00 Ist das die Revolution für LEGO-Steine? Wir stellen euch das neue Smart Play-System in 60 Sekunden vor

Die Kombination aus Stein und Smart-Tag erweckt euer LEGO-Set, wie aus Zauberhand, zum Leben. Herzstück ist dabei der Smart Brick, der mithilfe der Tags vorprogrammierte Eigenschaften übernimmt und dann beispielsweise weiß, dass er in einem X-Wing steckt.

Wird der Flieger bewegt, ertönen passende Raumschiff-Sounds. Nimmt er hingegen die Farbe Rot wahr, beispielsweise indem ein roter Stein per Technic-Mechanismus an die Seite des Smart Bricks geschoben wird, werden Laser-Sounds abgespielt. Stecke ich jetzt noch Luke oder R2D2 als smarte Minifiguren ins Cockpit dazu, wird das Audio-Repertoire um weitere Klänge erweitert und der Brick leuchtet in passenden Farben.

So sehen die Smart-Tags aus, die der Smart-Brick erfassen kann. So sehen die Smart-Tags aus, die der Smart-Brick erfassen kann.

Was ist in einem Smart Play-Set enthalten?
Es gibt zwei Arten von Smart Play-Sets und den Start machen vor allem die sogenannten All-in-One-Sets, die folgendes beinhalten:

  • Einer oder mehrere Smart Bricks
  • Mehrere Smart Tags
  • Eine oder mehrere smarte Minifiguren
  • Eine USB-C-Ladestation für den Smart Brick in der Größe einer handelsüblichen Powerbank

Im Laufe der nächsten Jahre soll es über das gesamte Sortiment hinweg in regelmäßigen Abständen Smart Play-Sets geben. Die meisten davon werden Erweiterungs-Packs ohne Ladestation und Smart Bricks sein, dafür aber mehr Tags und Figuren beinhalten.

Dank unterschiedlicher Sensoren reagiert der Smart Brick stets passend zur Situation. Eine meiner bisherigen Lieblingsfunktionen steckt beispielsweise in einer Tech Demo, die uns gezeigt wurde. 

Dafür wurden fünf Smart Bricks verwendet, einer für die Mama-Ente und vier für die Kinder-Enten. Sobald die Mutter sich wegdreht hat, haben die Kinder-Enten angefangen zu schnattern. Dreht sie sich wieder zu ihnen hin, hören die Kleinen auf. Sobald ihre Mama sich zu weit entfernt hat, haben die Küken ein Lied gesungen.

In einem anderen Minispiel wurde den schnatternden Vögeln ein Skateboard umgeschnallt und es ging zum Enten-Curling. Ein Smart Brick, der an einem Pokal befestigt war, diente dabei als Endpunkt für die Entchen. Wessen Küken am Ende dem Pokal am nächsten gekommen ist, hat gewonnen.

Wie viel kosten die ersten Star Wars-Sets?
Zum Start des neuen Spielsystems am 1. März sind bisher drei Sets aus der Star Wars-Themenwelt bestätigt:

  • Throne Room Duel & A-Wing: 159,99 Euro
  • Darth Vader's TIE Advanced: 69,99 Euro
  • Luke's Red Five X-Wing: 89,99 Euro

Hier könnt ihr euch die Sets und mehr noch einmal in der Galerie anschauen:

Beeindruckende Technik im Kleinformat

Smart Play ist nicht der erste Versuch von LEGO, der das Spielen mit Klemmbausteinen um digitale Elemente erweitert. Sound-Bricks, Licht-Bricks, Augmented Reality-Apps und die Super Mario-Figur – sie alle kulminieren jetzt auf die eine oder andere Weise im Smart Brick. Es ist also nicht komplett neu, was er kann, aber die Geschwindigkeit, in der die einzelnen Sensoren arbeiten, steckt die bisherigen Versuche locker in die Tasche.

Am beeindruckendsten ist für mich aber das Sound-System – und damit meine ich nicht die ungemein schwachen Lautsprecher im Smart Brick, die im lauten Event-Raum kaum zu hören waren und wahrscheinlich auch in einer leiseren Umgebung kaum besser wirken. 

In dem Tatooine-Set erzeugt ihr den berühmten Mos Eisley-Song indem ihr schnell an der Kurbel dreht. In dem Tatooine-Set erzeugt ihr den berühmten Mos Eisley-Song indem ihr schnell an der Kurbel dreht.

Mir geht es um die Art und Weise, wie Sound erzeugt wird. Denn in dem neuen Brick befindet sich ein Synthesizer, der beim Spielen auf die Bewegungen der Bausätze mit Anpassungen bei den Frequenzen und Abspielgeschwindigkeiten reagiert. In einer Demo hat der Smart Brick Geräusche gemacht, je nachdem, wie ich ihn drehe und in welcher Geschwindigkeit. Es wird also nicht einfach nur eine Audio-Datei abgespielt, sondern der Sound reagiert auf das, was ich gerade mache.

Warum klingen die Sounds nicht wie im Film?
Wenn ihr mit dem Smart Brick spielen wollt, dann erwartet ihr bei Star Wars-Sets sicherlich auch die Sounds aus den Filmen. Die bekommt ihr aber nicht zu hören. Ich habe nachgehakt, wieso das so ist, und mir wurde verraten, dass die Klänge alle einen eigenen, etwas klotzigen Touch haben sollen. Es soll so klingen, als würden die Geräusche von Plastikfiguren stammen und nicht von echten Schauspieler*innen und Musizierenden. 

Aktuell geht das oben abgebildete Tatooine-Cantina-Set durchs Netz, weil es nicht nach dem Original-Song klingt. Kurbelt ihr jedoch schnell genug am Set, dann spielt die bekannte Melodie, in der bewusst abgewandelten Variante.

Keine Einrichtung notwendig: Es ist sehr einfach mit dem smarten Klotz umzugehen. Da er sich komplett unauffällig in das bisherige Lego-Sortiment einreiht, kann ich mir sogar vorstellen, dass Kinder und Eltern eines der Sets kaufen und erst beim Aufbau bemerken, dass der Stein Geräusche von sich geben und leuchten kann. 

Um ihn dauerhaft zu verwenden, müsst ihr den Stein lediglich auf der mitgelieferten Station laden und dann schütteln, um ihn aufzuwecken. Der Brick braucht für die ganzen Funktionen keine Updates oder einen Internetzugang.

Den Smart Brick könnt ihr jederzeit mit der Ladestation kabellos aufladen. Den Smart Brick könnt ihr jederzeit mit der Ladestation kabellos aufladen.

Der Preis ist zwar hoch, aber nicht das Problem bei Smart Play

Ich sehe nach der Präsentation großes Potenzial im Smart Brick und den Tags. Vor allem die Umsetzung ist endlich so, wie ich es von Klemmbausteinen erwarte – komplett ohne Bildschirm und technisches Know-How. Und doch ging nach der der Präsentation zuerst nur ein Gedanke durch den Kopf: “Das ist alles?”. Denn so wie LEGO mit dem System startet, kann das aus meiner Sicht nicht gut gehen – und das nicht einmal wegen der wirklich hohen Startpreise. 

Stattdessen ist es das eingeschränkte Spielen ohne Fantasie. Denn alles, was der Smart Brick kann, gibt LEGO selbst vor. Die bisher angekündigten Tags sind allesamt vorprogrammiert und es gibt aktuell keine Möglichkeit, eigene Spielfunktionen, Sounds und ähnliches zu erstellen. Habe ich also einmal herausgefunden, was der X-Wing-Smart-Tag kann, dann kann ich auch nur diese paar Szenarien damit spielen und nichts Neues dazu erfinden. 

Nicht in allen Ländern verfügbar:
Der Smart Brick und die ersten Sets mit dem Stein werden zunächst nur in sechs Ländern verfügbar sein: Deutschland, Frankreich, Polen, UK, USA und Australien. Alle anderen Länder schauen zunächst in die Röhre und müssen auf unbestimmte Zeit warten. (via Twitter)

Natürlich ist es möglich, den Tag auch auf einen selbst gebauten Elefant zu packen, der dann zum X-Wing-Elefant wird, aber er beherrscht dann eben nur die Funktionen, die LEGO per Tag zur Verfügung stellt. Frei editierbare Tags könnten hier eine große Bereicherung sein.

Aufgrund dessen habe ich die Befürchtung, dass der Spaß schnell verflogen ist und das Spielerlebnis vielleicht sogar frustrierend sein kann, wenn sich euer Kind etwas anderes vorstellt, der Stein das aber nicht umsetzen kann. In der Hinsicht ist es dann wohl sogar einfacher und vor allem kreativer, einfach selbst die Geräusche nachzuahmen. 

Dennoch bin ich sehr gespannt darauf, in welchen Themen und auch welche Art das Smart Play-System noch seinen Einsatz findet. Denn in den eigentlichen Tech-Demos abseits der Star Wars-Sets fand ich die Nutzung des Smart Bricks super charmant. Sie zeigten mir genau das, was der Stein alles kann, und was ich mir von ihm wünsche. Bleibt es aber so, dass die Tags nur von LEGO vorgefertigt sein werden, dann könnte der Smart Brick wieder schnell in Vergessenheit geraten. 

Habt ihr Interesse am Smart Play-System oder wartet ihr erst einmal ab, wie es sich noch entwickelt?


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