Mit meiner Nintendo Switch 2 stehe ich ein wenig auf Kriegsfuß. Ich mag sie als Konsole sehr gern, als Handheld nutze ich sie aber effektiv nie. Dafür waren mir Switch 1-Spiele, die ich gerade zuhauf nachhole, unterwegs bislang viel zu unscharf und flimmerig, weshalb ich sie fast ausschließlich am TV gezockt habe.
In nächster Zeit wird sich mein Spielverhalten jedoch drastisch ändern, denn Nintendo hat einen großen Kritikpunkt am Handheld-Modus mit dem aktuellen System-Update und einer darin enthaltenen, neuen Einstellung beseitigt.
Switch 1-Spiele fallen im Handheld-Modus deutlich ab – und auf der Switch 2 hat mich das umso mehr gestört
Die Switch 2-Hardware ist der ersten Switch bei weitem überlegen. Das zeigt sich bei der integrierten Abwärtskompatibilität vor allem durch deutlich stabilere Framerates und dem ein oder anderen Spiel, das minimal schärfer erscheint. Sowohl im TV- als auch im Handheld-Modus.
18:40
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Aber machen wir uns nichts vor: Switch 1-Spiele haben schon bessere Tage gesehen und können mit aktuellen Titeln in Sachen Bildqualität nicht mehr mithalten. Sie sind in ihrer portablen Variante auf eine Auflösung von 720p limitiert, flimmern also ohne Ende, Texturen fransen aus und unscharf wirken sie auch noch.
Die Unschärfe wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass die 720p-Ausgabe der Spiele auf 1080p gestreckt wird – das liefert das 7,9 Zoll-Display der Switch 2 nativ. Die fehlenden Pixel werden in der Folge unsauber durch farbliche Schätzungen gefüllt, weshalb Objekt- und Texturränder verwaschener wirken, als sie es auf einem Switch 1-Screen gewesen wären.
Werden Pixel nicht gleichmäßig skaliert, kommt es zu einer Unschärfe, da farbliche Zwischenstufen eingeschoben werden müssen. Hier habe ich den Effekt mal kräftig aufgedreht, damit er deutlicher wird, das Prinzip ist bei der 720p-zu-1080p-Skalierung aber ähnlich.
Diese Problematik hat Nintendo aber mit dem erwähnten Update aus der Welt geschafft, denn es ist von nun an möglich, Switch 1-Spiele in ihren TV-Modi auf dem Handheld-Bildschirm zu zocken. Den Spielen wird beim Handheld-Boost vereinfacht ausgedrückt vorgegaukelt, in einer Docking Station zu laufen, wobei der Switch 2-Screen als "Fernseher" dient.
Der clevere Trick entlockt den Switch 1-Spielen scharfes 1080p-Gameplay, die Switch 2 holt jetzt also auch im Handheld-Modus alles aus den alten Klassikern heraus, was in Sachen Auflösung möglich ist.
So gut ist der Handheld-Boost in der Praxis
Die weitaus höhere Auflösung macht sich beispielsweise in der Charakterauswahl von Smash Bros. Ultimate bemerkbar. Schrift sowie die kleinen Bildchen der Kämpfer*innen sehen mit eingeschaltetem Boost gestochen scharf aus:
Bildschirmtexte, Menüanzeigen und 2D-Bilder wirken in 1080p bei weitem nicht mehr pixelig und ausgefranst.
Im Spiel selbst wirken 3D-Modelle darüber hinaus eine ganze Nummer schärfer, genau wie ihre Texturierung:
Im Spiel selbst ist der Schärfegrad dann ebenfalls massiv höher, achtet vor allem mal auf die Steintexturen des zerstörten Bogens, die Kristalle rechts und den begrünten Boden.
Bei Mario Kart 8 Deluxe ist mir zudem ins Auge gesprungen, wie stark die Treppchenbildung dank der höheren Auflösung zurückgegangen ist. Der Fun-Racer flimmert kaum noch:
Dank der höheren Auflösung des Handheld-Boosts flimmern die Pisten in Mario Kart 8 Deluxe nicht mehr so heftig. In diesem Beispiel ist die Brücke nicht mehr so kantig, genau wie die Curbs an der Kurve.
So richtig baff war ich dann aber in Bayonetta 3, das mit einer unheimlich niedrigen 480p-Auflösung oder sogar weniger im Handheld-Modus an den Start ging und jetzt mit einer fast viermal so hohen Pixelanzahl gerendert wird:
Das Charaktermodell von Bayonetta ist eine ganze Nummer schärfer und flimmerfreier, genau wie die Umgebung. Obendrauf gibt es klarere Texturen und ein paar zusätzliche Reflexionen und Umgebungsdetails.
So ziemlich jedes Switch 1-Spiel, das ich getestet habe, hat im Handheld-Modus der Switch 2 einen spürbaren Schärfe-Boost erhalten und sieht daher weitaus schicker und sauberer aus.
Zumindest sofern es zuvor einen Unterschied zwischen der Auflösung im Handheld- und TV-Modus gab. In The Witcher 3 macht sich die Funktion beispielsweise nicht bemerkbar, da das Spiel sowohl mobil als auch stationär mit maximal 720p lief. Und auch das erste Hyrule Warriors verwendete in beiden Modi dieselbe Auflösung.
Bis auf ein paar Kleinigkeiten bei den 3D-Modellen und dem größeren HUD sieht The Witcher 3 in beiden Modi komplett gleich aus, da der Titel grundsätzlich bei 720p den Cut setzt. Daraus kann dann auch der Handheld-Boost nicht mehr machen.
Dabei handelt es sich aber Ausnahmen, die breite Masse hat auf die 720p- beziehungsweise 1080p-Limits für den Handheld- und TV-Modus gesetzt und dort kann das neue Boost-Feature dann auch entsprechend punkten.
Zusätzliche Grafikdetails und Performance
Je nach Spiel kann es sein, dass der TV-Modus weitere Grafikdetails freischaltet, etwa eine höhere Weitsicht, realistischere Beleuchtungseffekte, hochauflösende Texturen, aufwendigere Modelle für Gegenstände in der Umgebung oder eine dichtere Bepflanzung.
In Mario + Rabbids: Kingdom Battle ist mir beispielsweise aufgefallen, dass Schatten ausdefiniertert sind und die Umgebung passend zum Look des Taktik-Spiels knubbeliger modelliert ist:
Die Umgebung wird per Handheld-Boost mit mehr Polygonen gerendert und das verbessert dann auch die Schattendarstellung.
Ausgehend von meinen Tests kann ich zudem nicht sagen, dass sich mit dem Boost ein Titel für mich ruckeliger angefühlt hat. GVG berichtet jedoch, dass es ein paar Drops in einigen Spielen geben kann. Da es aber keine Möglichkeit gibt, Framerate-Analysen im Handheld-Modus durchzuführen, lässt sich das nur mit Augenmaß bestimmen.
Gibt es auch Nachteile?
Um die höhere Auflösung und die zusätzlichen Grafikdetails zu berechnen, muss die Switch 2 wenig überraschend mehr ackern. Ich habe in beiden Modi dieselbe Szene bei maximaler Helligkeit zwanzig Minuten laufen lassen und bin auf folgende Werte gekommen:
- Handheld-Boost an: 12 Prozent Verlust
- Handheld-Boost aus: 10 Prozent Verlust
Der Energieverbrauch steigt also je nach Spiel um ungefähr 1 bis 2 Watt an, was dazu führt, dass euch unterwegs circa 10 bis 20 Minuten früher der Saft ausgeht. Mit reduzierter Bildschirmhelligkeit solltet ihr aber noch immer über zwei Stunden in euren Switch 1-Spielen verbringen können.
Übrigens: Die Switch 2 ist auch mit dem Handheld-Boost angenehm leise, ich habe keinen nennenswerten Unterschied zum "normalen" Betrieb messen können.
Aber Achtung: Ihr müsst mit eingeschaltetem Boost daran denken, dass einige Hinweisboxen in Switch 1-Spielen jetzt ein “falsches” Gamepad anzeigen, da sie die Joy-Cons als Pro-Controller interpretieren. Darüber hinaus lässt sich der Touch-Screen nicht mehr verwenden (schließlich ist der Bildschirm jetzt ein "Fernseher"), aber ihr könnt die Joy-Cons weiterhin vom Gehäuse trennen und mit ihnen spielen.
Wie ihr den Handheld-Boost einschaltet, erfahrt ihr auf Seite 2 des Artikels.
Mein Fazit
Und was sagt ihr? Habt ihr den Handheld-Boost bereits ausprobiert?
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