Das gab es im Resident Evil-Universum noch nie: Requiem ist der erste Ableger der Reihe, der zeitgleich auf allen drei großen Konsolenplattformen erscheint. Und es ist – rechnen wir das Remaster vom Resident Evil 1-Remake raus – sogar der erste Vertreter des Franchise, der direkt zum Release eine richtige Portierung bekommt, statt auf einem Cloud-Server zu laufen.
Wieso es das bisher nicht gab, wird beim Spielen der Switch 2-Version von Resi 9 an einigen Stellen allerdings sehr deutlich. Denn obwohl Requiem auch auf der neuen Nintendo-Konsole ein gutes Spiel geworden ist, scheitert die Umsetzung in vielen Punkten an ihren eigenen Ambitionen.
Chris Werian
FromSoftwerian@BlueSky
Chris ist seit Resident Evil 4 großer Fan der Horror-Reihe und hat auch schon auf der Nintendo Switch jede Menge Zombies und Mutanten unter die Erde gebracht. Da Resi 9 technisch einen gewaltigen Grafiksprung beispielsweise zur Portierung von Teil 6 macht, war er umso gespannter, wie der neue Ableger auf der Switch 2 laufen würde. Allerdings machte sich schon früh Ernüchterung breit.
Resident Evil Requiem sieht fantastisch aus, auch auf der Switch 2
Erst einmal zum Positiven: Die Switch 2-Fassung von Resident Evil Requiem ist in optischer Hinsicht ihren PS5- und Xbox Series X|S-Pendants überraschend dicht auf den Fersen. Die zum Teil stockfinsteren Umgebungen wurden mit unzähligen Details ausstaffiert und schön schummrig ausgeleuchtet.
Dynamische Lichtquellen, beispielsweise Graces Taschenlampe, werfen darüber hinaus perspektivisch korrekte Schatten, passend zur schaurigen Grundstimmung. Und auch die Charaktermodelle der Hauptakteure wirken zeitgemäß, genau wie ihre erstklassigen Animationen.
Der Trailer für die Switch 2 vermittelt einen guten Eindruck von der Grafikpracht:
2:31
Im neuen Switch 2-Trailer zu Resident Evil Requiem säuselt uns der nächste Bösewicht ins Ohr
Die optischen Unterschiede zur PS5-Version
Wenig überraschend muss die Version für die im Vergleich zu PlayStation und Xbox technisch eher schwach aufgestellte Handheld-Konsole jedoch ein paar optische Einsparungen hinnehmen:
- Flächen mit indirekter Beleuchtung, beispielsweise Wände, die den Schein eurer Taschenlampe reflektieren, wirken extrem bröselig
- die Beleuchtung wurde ein wenig vereinfacht, vor allem für die Charaktermodelle
- Haare wirken nicht mehr ganz so fluffig und weisen auch weniger bewegliche Strähnen auf
Die Beleuchtung der Charaktermodelle und die Darstellung der Haare fällt auf der Switch 2 weitaus unrealistischer aus und das sticht im direkten Vergleich mit der PS5-Version sehr ins Auge, vor allem bei Grace.
- Texturen sind weitaus niedriger aufgelöst und detailärmer
Die Schrift ist auf der Switch 2 zum Teil kaum lesbar, während sie auf der PS5 ohne Schwierigkeit zu erkennen ist.
- es gibt keine Post-Processing-Effekte mehr zu sehen, unter anderem sind also keine schmierigen Fingerdappser mehr zu erkennen, wenn die Kamera von grellen Lichtern erhellt wird
Dreck, Fettfinger und Wassertropfen fehlen auf der Kameralinse in der Switch 2-Fassung.
- es gibt (wenig überraschend) kein Ray-Tracing zu sehen, das ist PS5 Pro-exklusiv
- viele Umgebungsschatten weisen eine auffällige Schraffur sowie pixelige Muster auf, sie werden also mit niedriger Genauigkeit gerendert
Das klingt erstmal nach vielen Mankos, die bereits angesprochenen grafischen Qualitäten – vor allem bei der Beleuchtung und Schattendarstellung – kommen aber dennoch durch und sorgen auch auf der Switch 2 für ein optisch sehr ansprechendes Survival-Horror-Spiel.
Was Requiem zudem spielerisch auf dem Kasten hat, das erfahrt ihr im Test von Kollege Dennis:
Niedrige Auflösung mit Aussicht auf Geruckel
Wie eingangs angedeutet, leidet die Switch 2-Version allerdings unter auffälligen Problemen. Allen voran fällt die Auflösung nicht sonderlich hoch aus. Folgende Werte konnte ich zählen:
- TV-Modus: 540p
- Handheld-Modus: 432p
Ich gehe davon aus, dass bei beiden Varianten der RE-Engine-eigene Checkerboard-Upscaler eingesetzt wird, der Resi 9 im TV-Modus beispielsweise von 540p auf 1080p skaliert. Die Konsole zieht das Bild dann im letzten Schritt unsauber auf 2160p hoch.
Was ist Checkerboard Rendering?
Beim Checkerboarding wird nur jeder zweite Pixel gerendert, der Frame nimmt damit also die Form eines Schachbretts an. Die dabei entstandenen Lücken werden dann mit Farbinformationen aus umgebenen Pixeln aufgefüllt. Sony hat das Feature auf der PS4 Pro sehr häufig verwendet, Capcom nutzt es in verbesserter Form aber bis heute in der RE-Engine.
Grundsätzlich klingen die Auflösungswerte erstmal schlechter als sie in Wirklichkeit sind, denn das Upscaling funktioniert in vielen Situationen ziemlich gut und erzeugt scharfe anzusehende Bilder.
In etlichen Momenten fällt die Technik aber auch völlig in sich zusammen. Etwa in den Zwischensequenzen, in denen die Charaktere zu kantigen Flimmerfiguren werden:
Zudem ist während Kameradrehungen zu erkennen, dass das Spiel (unabhängig von der ausschaltbaren Bewegungsunschärfe) an Klarheit verliert, da der Upscaler sich erst wieder auf die neue Szene einstellen muss. Das dauert in der Regel ein paar Frames.
An die niedrige Auflösung sind abseits der Unschärfe und der flimmernden Kanten aber auch noch ein paar weitere optische Einschnitte gebunden. Ränder von dynamischen Schatten erscheinen zum Beispiel pixelig, dünne Objekte flimmern stark und einige Effekte lösen sehr grob auf.
Vor allem im Handheld-Modus, bei dem zig Bildartefakte deutlich werden:
So richtig dramatisch wird es aber bei der Framerate
Wie auch in den vorangegangenen Resident Evil-Spielen gibt es in Requiem kein festes 30 fps-Limit. Stattdessen versucht der Titel stets 60 fps zu erreichen, schafft es in der Praxis aber nur sehr inkonsistent.
Mit Grace konnte ich das Sanatorium im ersten Part des Spiels in 45 bis 60 fps erkunden, häufig rangierte die Framerate bei 55 fps. Da sich aufgrund häufiger Schwankungen bei mir nie ein Gewöhnungseffekt einstellte und das Durchqueren der medizinischen Räumlichkeiten zudem unter Nachladerucklern leidet, wirkte das Spiel für mich nie flüssig.
Und das ist in der Ego-Perspektive dann auch sehr unangenehm zu spielen:
1:51
Zwei Grace-Abschnitte mit typischem Gameplay - wirklich flüssig ist das nicht
Mit Leon wurde es dann noch heftiger, da die höhere Gegneranzahl und zahlreiche Partikeleffekte, wie Kettensägenrauch und Funken, meine Switch 2 in die Knie zwangen. Ich habe in seinen Abschnitten regelmäßig Einbrüche auf 40 fps oder sogar weniger gemessen:
2:49
Resi 9 aus der Perspektive von Leon leidet unter den massivsten Rucklern
Wichtig: Die Szenen wurden stark aufgehellt, damit ihr am Handy oder einem hell beleuchteten Raum auch etwas erkennt. Im Spiel sind sie eigentlich viel dunkler und kontrastreicher. Zudem wurde der Ton ausgeschaltet, da Audio-Aufnahmen die Messungen stören können.
Das Resultat: Präzise Kopfschüsse sind mir weitaus schwerer gefallen als auf der PS5, genau wie das Deuten von Gegneranimationen. Nicht selten haben sich daher gammelige Zombiezähne in Leons Nacken gegraben. Nervig!
Feste 30 fps oder 40 fps mit einer gleichmäßigen Frame-Taktung hätte ich mir daher als optionalen Schalter gewünscht. Dass die Engine solche Frame-Limits beherrscht, wissen wir von Moddern und auch der PC-Version. Nur Capcom selbst scheint das auf den Konsolen bisher völlig zu ignorieren.
Und der Handheld-Modus? Dort kann ich keine Messungen anfertigen, da die Konsole das nicht zulässt. Meinem Eindruck nach potenzieren sich die Probleme dort aber, es ruckelt also nur noch mehr. Trotz VRR und 120 Hz-Display!
Mein Fazit zur Switch 2-Version
Ein grafisch aufwendiges Action-Horror-Spektakel wie Resident Evil Requiem als native Portierung auf die Switch 2 zu bringen, ist ein lobenswertes Unterfangen, das aber letztendlich nicht komplett aufgeht.
Die grafische Qualität würde es locker unter die bisher am besten aussehenden Switch 2-Spiele katapultieren, die störenden Bildartefakte durch die niedrige Auflösung und die massiven Ruckler hinterließen bei mir aber einen sehr faden Beigeschmack.
Daher haben wir uns im Test auch für eine Abwertung von 5 Punkten für die Switch 2-Fassung entschieden.
Habt ihr die Wahl, dann greift auf jeden Fall zur PS5- oder Xbox Series X-Version! Spielt ihr hingegen ausschließlich auf der Switch 2, dann solltet ihr eher im TV-Modus zocken, da dort die Auflösungsprobleme abgemildert werden. Zudem solltet ihr mit beiden Charakteren in den Third-Person-Modus wechseln, da hier das Geruckel nicht ganz so unangenehm auffällt.
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