Insomniac reicht nicht aus: Warum Sony weitere Studios kaufen sollte

Es ergibt nur Sinn, dass Insomniac Games und Sony langfristig zusammenarbeiten wollen. Doch Hannes glaubt, dass die Übernahme nur der Anfang war und das neue First Party-Lineup längst nicht komplett ist.

von Hannes Rossow,
22.08.2019 19:00 Uhr

Insomniac Games ist jetzt ganz offiziell ein First Party-Studio von Sony Interactive Entertainment. Insomniac Games ist jetzt ganz offiziell ein First Party-Studio von Sony Interactive Entertainment.

Am Montag, parallel zur großen gamescom Opening Night Live-Veranstaltung, gab es eine sehr interessante Nachricht zu vermelden: Insomniac Games ist ab sofort ein fester First Party-Bestandteil der Worldwide Studios und damit ein dauerhafter Lieferant von PlayStation-exklusiven Spielen. Der Aufkauf durch Sony Interactive Entertainment kam plötzlich, letztlich aber nicht unerwartet - und könnte nur der erste Schritt gewesen sein.

Insomniac Games hat "Ja" gesagt

Auf die Frage, warum man sich jetzt dazu entschieden habe, Insomniac Games dem hauseigenen Studio-Fuhrpark hinzuzufügen, antwortete SIE-Chairman Shawn Layden, dass die Beziehung zu den Entwicklern aus Burbank, Kalifornien schon immer einmalig war und dass man es jetzt endlich offiziell machen wollte. Dieser fast schon romantische Unterton in den Worten Laydens macht allerdings auch eine Sache deutlich: Wirklich überraschend kam das alles nicht.

Vielleicht erwartet uns in Zukunft ja ein Comeback der Resistance-Reihe? Vielleicht erwartet uns in Zukunft ja ein Comeback der Resistance-Reihe?

Insomniac Games hat über Jahrzehnte hinweg an exklusiven Titeln für PlayStation-Konsolen gearbeitet. Von Spyro the Dragon und Ratchet & Clank über die Resistance-Reihe bis hin zu - ganz aktuell - Marvel's Spider-Man. Sich die gute Zusammenarbeit dauerhaft zu sichern und Ausreißer wie das Xbox One-exklusive Sunset Overdrive in Zukunft zu verhindern, war aus der Sicht von Sony eine vernünftige Entscheidung.

Doch mir stellt sich die Frage, ob das ausreicht. Schon seit Monaten kursieren Gerüchte, dass Sony aktiv auf der Suche nach Studios ist, die dem First Party-Lineup hinzugefügt werden können. Noch scheint die Marktführung sicher zu sein, doch mit dem kommenden Generationenwechsel und Microsofts aggressiver Aquisitionspolitik steht Sony im Zugzwang, die Vorherrschaft in Sachen Exklusivtiteln verteidigen zu können. Und ein neues Studios könnte da zu wenig sein.

Phil Spencer auf großer Shoppingtour

Allein in den letzten 12 Monaten hat sich Microsoft stolze sieben neue Entwicklerteams geleistet. Neben den Aufkäufen von Ninja Theory, Playground Games, Undead Labs, Compulsion Games, Obsidian Entertainment und inXile Entertainment, gab es noch die Gründung von The Initiative, das vom ehemaligen Crystal Dynamics-Chef Darrell Gallagher geleitet wird.

Mit den The Outer Worlds-Machern von Obsidian Entertainment hat sich Microsoft echte RPG-Experten gesichert. Mit den The Outer Worlds-Machern von Obsidian Entertainment hat sich Microsoft echte RPG-Experten gesichert.

Es mag sein, dass manche dieser Studios eher für kleinere Projekte angestellt wurden, die nicht unbedingt die großen Blockbuster liefert, die die Xbox-Marke aktuell so dringend braucht. Im Vergleich zu Sony ist der Wille zur Expansion aber viel klarer zu erkennen. Schließlich kann nicht gesagt werden, welche großen Fische die Xbox Game Studios aktuell noch an der Angel haben.

Hinzu kommt auch das "Problem", dass Sony mit Insomniac Games zwar einen namhaften Entwickler unter die eigenen Fittiche geholt hat, dieser aber in der Außenwirkung ohnehin bei vielen schon gedanklich mit der PlayStation-Marke verknüpft ist. Im Grunde kann hier der Vergleich zu Playground Games gezogen werden, die nach nach langer Scheinunabhängigkeit und vier Xbox-exklusiven Forza Horizon-Titeln jetzt eben offiziell zum Team gehören.

Ein neues Studio ohne neue Spiele

Kaum jemand zweifelt ernsthaft daran, dass Marvel's Spider-Man 2 bereits in Arbeit ist. Zu erfolgreich war der erste Teil, zu lukrativ ist der Lizenz-Deal mit Marvel Games und zu offensichtlich sind die Hinweise nach Spielende. Noch viel weniger Spieler zweifelten vor der Sony-Übernahme daran, dass der Spider-Man-Nachfolger abermals ein PlayStation-Exklusivtitel wird.

Der Nachfolger zu Marvel's Spider-Man wird also auch PlayStation-exklusiv - hat daran aber jemand gezweifelt? Der Nachfolger zu Marvel's Spider-Man wird also auch PlayStation-exklusiv - hat daran aber jemand gezweifelt?

Und da haben wir den Salat: Aus der Sicht von Spielern und potenziellen Käufern hat Sony mit dem Aufkauf von Insomniac Games keine wirkliche, keine tatsächliche Verbreiterung des First Party-Lineups erreicht. Zumindest mittelfristig werden aus der Arbeit mit Insomniac Games jedenfalls keine exklusiven Spiele entstehen, die wir nicht ohnehin schon erwartet hätten.

Und ich bin mir sicher, dass sich auch Sony darüber im Klaren ist und längst daran arbeitet, weitere Verträge unterzeichnen zu lassen. Gibt es irgendwo da draußen ein weiteres, hochkarätiges Studio, dass aktuell im Begriff ist, in die PlayStation-Familie einzuheiraten? Es ist jedenfalls denkbar - die Erwartungen an eine prall gefüllte PS5-Bibliothek sind nach den vielen Exklusiv-Blockbustern für PS4 entsprechend hoch.

Wen schnappt sich Sony als nächstes?

Nun beginnt der spannende Teil, denn tatsächlich gibt es da ein paar Kandidaten, die sich als First Party-Studio eignen würden. Zum einen hätten wir da die finnischen Entwickler von Housemarque, die Kenner vor allem für ihre action-lastigen Twin-Stick-Shooter schätzen. Hier sprach CEO Ilari Kuittinen sogar selbst davon, dass man sich manchmal auf exklusive Deals einlassen muss, um sich finanzielle Sicherheit zu verschaffen.

Nex Machina ist ein beeindruckendes Spiel, das aber leider zu wenig Käufer gefunden hat. Nex Machina ist ein beeindruckendes Spiel, das aber leider zu wenig Käufer gefunden hat.

In der Vergangenheit gab es mit Titeln wie Resogun und Nex Machina bereits Beispiele für PS4-exklusive Spiele, die bei Sony landeten. Und angesichts der Schwierigkeiten, sich mit herausragenden, aber nischigen Arcade-Titeln über Wasser zu halten, wäre eine Übernahme durch Sony Interactive Entertainment sicherlich hilfreich. Vor allem, wenn sich Housemarque wie versprochen an AAA-Titeln probieren möchte.

Zum anderen gibt es da noch Remedy Entertainment, die derzeit den Launch von Control vorbereiten. Frisch von Microsoft geschieden, bei denen sie mit Alan Wake und Quantum Break nie so recht glücklich wurden, rappeln sich die Entwickler gerade mit einem experimentellen Third Person-Shooter auf, der viel Wert auf eine düstere und komplexe Erzählweise legen will.

Doch diese neue Unabhängigkeit ist vielleicht nur von kurzer Dauer, denn tatsächlich gibt es Gerüchte, dass Remedy bereits ein Angebot von Shuhei Yoshida gemacht wurde, der gern seine Worldwide Studios erweitern möchte. Dafür spricht ebenfalls, dass Yoshida das Studio in Helsinki besucht hat - auf einer Tour, bei der er auch Insomniac Games einen Besuch abstatette. Ein weiteres Studio, bei dem Yoshida vor Kurzem an der Tür geklopft hat? Ja, richtig geraten: Housemarque.

Wie geht es nach Control für Remedy Entertainment weiter? Wie geht es nach Control für Remedy Entertainment weiter?

Das war nur der Anfang

Ich finde es gut, dass Sony und Insomniac Games sich einigen konnten. Die Spider-Man-Macher sind mir sehr sympathisch und es freut mich, wenn das Studio sich erst einmal keine Gedanken um rote Zahlen machen muss. Gleichzeitig ist meine Erwartungshaltung an Sony, sich in Sachen First Party zu vergrößern, noch ungebrochen. Ich bin überzeugt: Da kommt noch was.

Es wird jedenfalls spannend, mit welcher Schlagkraft Sony und Microsoft in die neue Konsolengeneration gehen und was sie aus ihren Möglichkeiten machen. Je größer der Konkurrenzkampf, desto wahrscheinlicher sind spannende Innovationen, mit denen man sich abheben möchte. Und Innovationen kann diese Branche gar nicht genug haben.


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