Am Wochenende wurde die Xbox mal wieder medial zu Grabe getragen. Der Anlass dieses Mal: Der Führungswechsel in der Chef-Etage. Phil Spencer und Sarah Bond gehen, Asha Sharma kommt. Und weil die in ihrer Karriere bislang unter anderem bei Meta und im KI-Bereich gearbeitet hat, findet man im Netz nun wieder einige Abgesänge auf Microsofts Gaming-Label, wie diesen hier von Kotaku.
Bei aller berechtigten Skepsis, die man bei einem solchen Wechsel haben kann, halte ich diese Todesmeldungen für verfrüht. Denn die "Xbox ist tot"-Takes gab es schon in der Xbox One-Ära – also vor über 10 Jahren.
Die Xbox ist aber noch da. Natürlich in anderer Form und mit anderen Schwerpunkten als beim Start der Marke vor mittlerweile 25 Jahren, aber sie ist da. Und könnte mit der Neubesetzung nun endlich dringend benötigte Veränderungen bekommen.
Denn: Der zu Amtsantritt von vielen als "Gamer" gefeierte Phil Spencer steuerte das schlingernde Xbox-Schiff zwar passabel durch die letzten Jahre, nach der Abkehr von Xbox-Exclusives und zahlreichen Studioschließungen sowie Entlassungen wuchs allerdings die Kritik immens, die negativen Schlagzeilen häuften sich.
Spencer könnte der Druck zu groß geworden sein, auch wenn sein Rückzug zu diesem Zeitpunkt nicht geplant war, wie man aktuell lesen kann.
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Frische Perspektive und KI-Bonus
Sharma hat den "Gamer-Bonus" nicht, aber vielleicht genau den externen Blick, den es braucht, um Dinge neu und anders zu bewerten – und dem zunehmend ramponierten Ruf der Xbox dadurch vielleicht wieder neuen Glanz zu verleihen.
Großartige Spiele sind dafür natürlich das beste Mittel und genau die hebt die neue Chefin in ihrem ersten Statement bewusst hervor – auch wenn das natürlich eine Phrase ist, die alle gerne lesen und hören möchten.
Und dennoch wird sich Sharma daran messen lassen müssen. Statt Meldungen über geschlossene Studios und nur durchschnittliche Veröffentlichungen braucht es endlich wieder großartige Spiele, um das Xbox-Ökosystem interessant zu machen.
Denn in einem Punkt darf man sich nichts vormachen: An der grundsätzlichen Multiplattform- und Ökosystem-Ausrichtung wird sich auch unter Asha Sharma nichts ändern. Anpassungen sind hier aber definitiv nötig, schließlich rutschte die gesamte Gaming-Sparte des Konzerns im zweiten Quartal ins Minus.
Sharma gilt insbesondere aufgrund ihrer Tätigkeit bei Instacart als Expertin für Profitabilität und wird in diesem Bereich vermutlich die größte Aufgabe zu bewältigen haben.
Dass Sharma auch eine große Expertise im KI-Bereich hat, sehe ich übrigens eher als Chance denn als Gefahr. Ich weiß, dass das Thema bei vielen Spieler*innen für erhöhten Blutdruck sorgt, aber es ist eben da und wird auch nicht mehr weggehen. Die alles entscheidende Frage ist hier vielmehr, wie Microsoft KI einsetzt und nicht, ob sie KI bei der Entwicklung von Spielen nutzen.
Spätestens in der kommenden Hardware-Generation sollte dieses Thema adressiert werden und nun eine erfahrene Person in diesem Bereich auf dem Chefsessel sitzen zu haben, halte ich zumindest für keine verkehrte Entscheidung – zumal sich Sharma ja auch bereits entsprechend deutlich zu "KI-Slop-Befürchtungen" geäußert hat.
Auch hier muss sich aber natürlich erst noch zeigen, ob diesen schnell gesagten Worten auch entsprechende Taten folgen werden. Wie gesagt, ich kann die Skepsis durchaus verstehen.
Lasst Asha Sharma erstmal machen!
Ich kann den Finger natürlich nicht genau auf eventuelle Maßnahmen legen, mit der ein Umschwung möglich ist, es wird in jedem Fall eine Mammutaufgabe. Aber die dieser offenbar sehr ambitionierten jungen Frau nicht zuzutrauen und den Xbox-Laden schon jetzt gänzlich an die Wand fahren zu sehen, halte ich wie gesagt für vermessen – und auch ein Stückweit für respektlos.
Lasst Asha Sharma doch erstmal machen und zieht in ein bis zwei Jahren eine erste Bilanz. Moppern kann man dann immer noch. Und dass auch Nicht-Gamer Unternehmen in der Branche erfolgreich führen können, beweist unter anderem Strauss Zelnick (Take-Two) seit vielen Jahren.
Ich bin jedenfalls gespannt, wie die Xbox-Zukunft unter der neuen Führung aussehen wird, meine Hoffnung stirbt zuletzt. Und deswegen halte ich es bis zu dem Zeitpunkt, wenn es wirklich mal zum vielbeschworenen Xbox-Tod kommen sollte, mit dem Sprichwort: Totgesagte leben länger.
Wie seht ihr das: Bin ich zu naiv, wenn ich nicht von einem Xbox-Crash ausgehe?
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