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Pokémon-Karten: Der Hype führt zu leeren Regalen und Glücksspielvorwürfen

Influencer:innen filmen ihre Jagd nach Pokémon-Karten und lösen einen nie dagewesenen Hype mit gravierenden Folgen aus.

von Erik Körner,
29.03.2021 15:00 Uhr

Streamer Trymacs präsentiert ein frisch gezogenes Dunkles Raichu. Ein perfektes Exemplar erreicht einen Durchschnittspreis von 3000 Dollar. Streamer Trymacs präsentiert ein frisch gezogenes Dunkles Raichu. Ein perfektes Exemplar erreicht einen Durchschnittspreis von 3000 Dollar.

180.000 Euro können ein Sportwagen kaufen, eine kleine Eigentumswohnung - oder ein Glurak aus dem ersten Set des Pokémon-Kartenspiels, auch Base Set genannt. So viel blätterte Rapper Logic vergangenen Oktober umgerechnet für ein perfekt erhaltenes, von der PSA (Professional Sports Authenticator, eine US-amerikanische Bewertungsstelle für Sammelkarten) gegradetes Exemplar hin.

Influencer:innen wie Logan Paul ziehen nach. Er hat sich nicht nur ein eigenes Glurak für 150.000 Dollar zugelegt, sondern obendrein sechs Displays des seltenen Base Sets für weitere zwei Millionen Dollar.

Eine noch nie dagewesene Nachfrage nach den Karten folgt. Sammler:innen posten Fotos vor leeren Regalen; andere bestellen bei McDonald's 600 Happy Meals für 2.500 Euro, nur um sich limitierte Promokarten zu sichern. Wie kam es dazu?

Die Ursprünge des Hypes

Das Base-Set-Glurak: Momentan die wohl begehrteste Pokémon-Karte der Welt (Bild: Iconic Auctions) Das Base-Set-Glurak: Momentan die wohl begehrteste Pokémon-Karte der Welt (Bild: Iconic Auctions)

"Besonders die Preise von Karten, die immer gern gesammelt wurden, haben sich im vergangenen Jahr teils mehr als verdoppelt", erläutert Firat Babayigit, Geschäftsführer des Essener Kartenfachhandels Olli-Baba. Das gilt nicht nur für Pokémon-Karten wie Glurak. So erzielt etwa der begehrte Black Lotus aus Magic: The Gathering bei einer Auktion im Januar einen Preis von 511.100 Dollar und verdreifacht damit seinen Wert innerhalb zweier Jahre.

Die aktuell teuersten Pokémon-Karten haben wir in diesem Special für euch zusammengefasst:

6 Pokémon-Sammelkarten, die jetzt richtig wertvoll sind   15     0

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Gleichzeitig entwickeln sich auch reguläre Karten abseits von Auktionshäusern zu begehrten Gütern. Einer Ebay-Statistik zufolge nimmt der Sammelkartenverkauf auf der Handelsplattform im Jahr 2020 um 142 Prozent zu.

Obwohl neben Magic: The Gathering auch Sportkarten hoch im Trend stehen, führt Pokémon die Liste unangefochten an. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren; Branchen-Insider Zack Browning, ein renommierter Pokémon-Kartensammler, denkt, "dass Sammler ihre Kindheitspassion mittels ihres Einkommens wiederbeleben wollen."

Bei Pokémon existiere laut Babayigit allerdings eine weitere Ursache: Die öffentliche Schatzjagd der Influencer:innen."Diese Personen hatten vorher schon viele Zuschauer. Aber dann haben sie angefangen, Videos von ihren Openings und krassen Pulls hochzuladen.

Alle haben diese Videos gesehen." So zieht der US-amerikanische Influencer Logan Paul im Oktober mehrere Millionen Zuschauer:innenan, als er sich beim Öffnen eines Base Sets aus der ersten Auflage filmt, für das er laut eigener Angaben 200.000 Dollar bezahlte.

In Deutschland dauern vergleichbare Erfolge knapp vier Monate länger. Als aber Maximilian "Trymacs" Stemmler im Februar ebenfalls beginnt, auf Twitch stundenlange Karten-Unboxings zu übertragen, wird er zum meistabonnierten Streamer weltweit und bricht Zuschauer:innenrekorde. Weitere deutsche Streamer:innen, darunter Papaplatte oder MontanaBlack, können den Sammelkarten ebenso wenig widerstehen.

Kartenengpässe sorgen für hohe Preise

Schnell zeigen sich die Folgen dieses Hypes. In den USA beklagen Händler:innen seit vergangenem Herbst das aggressive Kaufverhalten. Innerhalb weniger Stunden klafft Leere in den Regalen, und Displays werden im Netz zu horrenden Preisen weiterverkauft.

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Dass Pokémon ein beliebtes Franchise ist, habe dazu beigetragen. "Es gibt Leute, die schon vor 25 Jahren mit Pokémon vertraut waren. Wenn die sehen, wie teuer Karten sein können, werden sie plötzlich wieder aufmerksam", konstatiert Babayigit. Damit hat der Kartenhändler bereits selbst Erfahrungen gemacht. "Auf einmal melden sich Kollegen bei mir, von denen ich seit 20 Jahren nichts mehr gehört habe, und fragen, ob ihre Karten noch etwas wert sind."

Für Olli-Baba bleibt es nicht bei einfachen Nachfragen, denn auch den Kartenladen trifft der Ansturm. "Am Anfang war unsere Ware sehr schnell ausverkauft", erklärt Babayigit. Wie immer hat das Team vorher einen Teil der Waren zurückgelegt, den sie nach dem ersten Ausverkauf online anbieten möchten. "Da haben wir aber gemerkt, dass sich die Preise in der Zwischenzeit teilweise vervierfacht hatten." Ein Problem, besonders für potenzielle Käufer:innen.

Der Kartenhändler ist sich sicher: "The Pokémon Company, der Vertreiber des Kartenspiels, kommt bei der Nachfrage nicht hinterher."

Das ist dem Unternehmen bewusst. Sie versprechen, zeitnah die Druckauflagen von bereits erschienenen und neuen Produkten zu erhöhen. Einen Effekt zeigt die Ankündigung bereits. "Seitdem hat sich der Markt wieder etwas beruhigt, das sehen wir auch an unseren Verkäufen", meint Babayigit. Wann die ersten Neudrucke ihren Weg zu Händler:innen finden werden, steht noch nicht fest. Der Kartenhändler rechnet mit den Sommermonaten.

Er weist aber darauf hin, dass dieses Versprechen keine Garantie für sinkende Preise ist: "Sollte die Pokémon Company erneut zu wenig zu drucken, werden wir wahrscheinlich im Sommer erneut einen Anstieg sehen."

Bei älteren Produkten sinkt die Verfügbarkeit, während die Preise steigen. Bei älteren Produkten sinkt die Verfügbarkeit, während die Preise steigen.

Somit bleibt der Kartenmarkt für vorhersehbare Zeit turbulent. Neugierige, die jetzt einsteigen wollen, sollen laut Babayigit lieber auf den Sommer warten. Der weiterhin herrschende Produktmangel und überteuerte Preise für noch verfügbare Karten verhindern den reibungslosen Einstieg.

Wer bereits Anleger:in ist, sollte hingegen die Initiative ergreifen. "Unserer Einschätzung nach haben wir gerade den Höhepunkt des Hypes erreicht. Daher sollten Kleinanleger die Chance nutzen, jetzt zu verkaufen, statt groß zu investieren", rät Babayigit.

Anders sieht es wiederum für Sammler:innen aus. Wer die finanziellen Mittel besitzt, könne auch guten Gewissens jetzt investieren. Dazu Babayigit: "Es ist egal, ob eine Karte jetzt 100 Euro kostet und in ein paar Wochen nur noch 70 Euro. Erfahrungsgemäß werden solch seltene Karten in zehn Jahren ohnehin mehr wert sein als das."

Sind Pokémon-Karten Glücksspiel? Dieser Frage stellen wir uns auf der zweiten Seite.

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